Maibaum mit Meerblick

von Leon Öttl

Den Vaterstettener Maibaum hat es nach drei Jahren erwischt: Aus Sicherheitsgründen wurde das 33 Meter lange Stangerl am Freitag, 29. Mai, abgebaut. Die Standsicherheit des vor drei Jahren aufgestellten Baumes war wegen Pilzbefalls gefährdet, wie ein Gutachten ergab.

An anderer Stelle, 911 Autokilometer entfernt, steht dafür seit dieser Woche ein Maibaum der besonderen Art – direkt an der Adriaküste in Vaterstettens Partnerstadt Trogir. Eingeweiht wurde der Baum während des Besuchs einer Delegation aus Vaterstetten. Anders als sein bayerisches Pendant besteht er aus Metall und soll so dauerhaft dem Küstenklima trotzen. Der Baum ist 540 Kilogramm schwer und stolze 12 Meter hoch.

Neben Mitgliedern der Partnerschaftsvereine nahm auch die Erste Bürgermeisterin Maria Wirnitzer (SPD) teil. Für sie ist es die erste Auslandsdienstreise in die Partnerstadt. Schon vor dem Vaterstettener Volksfest durfte sie vor Ort ein Fass anzapfen – souverän mit zwei Schlägen. Ebenfalls vor Ort war Gemeindearchivar Albert Weber, der Kontakte zum Stadtarchiv und Stadtmuseum pflegte. Denn auch wenn sich die Städtepartnerschaft vor allem durch persönliche Begegnungen auszeichnet, handelt es sich zugleich um eine offizielle Vereinbarung zwischen den beiden Kommunen, und damit um die Chance für die Verwaltungen, voneinander zu lernen.

v.l.: Suzana Jurković (Vorsitzende Partnerschaftsverin Trogir), Maria Wirnitzer (1. Bürgermeisterin Vaterstetten), Slavica Tavra (Vorsitzende Partnerschaftsverein Vaterstetten) Foto: Joško Herceg
Maria Wirnitzer mit dem Trogirer Bürgermeister Ante Bilić Foto: Joško Herceg

Ganz unbekannt ist ein Maibaum an dieser Stelle allerdings nicht: Bereits 2019, zum zehnjährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft, wurde hier ein weiß-blauer Baum aufgestellt. Damals noch aus Holz gefertigt, wurde das Prachtstück von Vaterstetten bis an die dalmatinische Küste transportiert – und bereits in Bayern gestohlen, was landesweit für Aufsehen sorgte: Die Burschen aus Inning am Ammersee entwendeten den Baum kurzerhand. Als Auslöse ging es für die Inninger schließlich nach Trogir, wo sie beim Aufstellen selbst mit anpackten.

Die Inninger Maibaum-Diebe halfen 2019 beim Aufstellen des ersten Trogirer Maibaums Foto: Partnerschaftsverein

Heuer übernahm diese Arbeit ein Kran; das Schmücken und Bemalen erledigten Mitglieder der Städtepartnerschaftsvereine im Vorfeld. Gefertigt wurde er direkt vor Ort – in der lokalen Werft, wo sonst unter anderem Luxusjachten gewartet werden.

Aufgestellt wurde der „Baum“ in diesem Jahr per Kran. Foto: Partnerschaftsverein

Bis an der berüchtigten Kreuzung von Dorf-, Fasanen- und Carl-Orff-Straße wieder ein neuer Maibaum steht, wird es noch rund zwei Jahre dauern. Dafür gibt es nun ein Stück bayerischer Kultur direkt an der Adriaküste.