Wie berichtet, überschattet derzeit ein Politbeben die Kommunalwahl in Haar. Chrisotomos Liatsos ist dort auf Listenplatz 23 für die CSU als Gemeinderatskandidat angetreten, jetzt aber zur AfD gewechselt. Aus juristischen Gründen ist eine Änderung der Wahllisten zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr möglich. Heißt: Wer in Haar die CSU Liste ankreuzt und Chrisotomos Liatsos nicht explizit streicht, wählt ihn auch. Über den 19-Jährigen und dessen Beweggründe wird die Tage viel geschrieben, selbst zu Wort gekommen ist Chrisotomos Liatsos bislang nicht. B304.de hat den Abtrünnigen um die Beantwortung einiger Fragen gebeten und schriftlich folgende Antworten von ihm bekommen.
B304.de: Herr Liatsos, warum sind Sie aus der CSU ausgetreten und was hat zu Ihrem sofortigen Rücktritt geführt?
Chrisotomos Liatsos: Mein Austritt war das Ergebnis politischer Differenzen und einer persönlichen Entscheidung. Ich habe festgestellt, dass meine Vorstellungen von kommunaler Politik nicht mehr mit der Ausrichtung der CSU vor Ort übereinstimmen. Deshalb habe ich einen klaren Schlussstrich gezogen.
Sind Sie bereits in die AfD eingetreten oder planen Sie das?
Ich habe einen Mitgliedsantrag gestellt. Bis zu einer formalen Entscheidung über die Aufnahme bin ich parteilos.
Warum wird Ihnen Nähe zur AfD nachgesagt?
Ich habe mich politisch neu orientiert und sehe meine inhaltliche Perspektive künftig im Umfeld der AfD. Diese Entscheidung habe ich für mich getroffen und kommuniziert.
Wenn Sie am 8. März gewählt werden – nehmen Sie die Wahl an?
Ja. Wenn ich gewählt werde, werde ich das Mandat annehmen und Verantwortung im Stadtrat übernehmen.
Würden Sie ein Mandat als AfD-Stadtrat übernehmen?
Ja. Sollte ich in den Stadtrat einziehen, werde ich mich der AfD-Fraktion zuordnen und dort politisch arbeiten.
Die SPD wirft Ihnen vor, Wähler zu täuschen. Was sagen Sie dazu?
Diesen Vorwurf weise ich zurück. Ich habe meinen Austritt und meine politische Neuorientierung öffentlich gemacht. Dass mein Name weiterhin auf einer Liste steht, ergibt sich aus den rechtlichen Abläufen der Wahl.
Was ist mit den von „dritter Seite gegen Sie erhobenen Vorwürfen“ im Statement der Haarer CSU gemeint?
Zu internen Gesprächen äußere ich mich nicht im Detail. Ich sehe jedoch keine Pflichtverletzungen meinerseits.
Welches Fehlverhalten werfen Sie der CSU Haar vor?
Ich möchte keine persönliche Auseinandersetzung führen. Mein Eindruck war jedoch, dass politische Unterschiede und der Umgang mit abweichenden Positionen letztlich nicht mehr zusammengepasst haben. Mein Austritt ist die Konsequenz daraus.
Wir weisen an dieser Stelle daraufhin, dass wir die Aussagen nicht bewerten und unabhängig arbeiten. Kernstück der journalistischen Sorgfaltspflicht und Fairness ist es aber, Betroffenen Gelegenheit zur Stellungnahme einzuräumen.
