Politbeben in Haar: Nur wenige Tage vor der Kommunalwahl am 8. März, ist CSU-Gemeinderatskandidat Chrisostomos Liatsos am vergangenen Freitag mit sofortiger Wirkung aus der CSU ausgetreten und zur AfD gewechselt. Allerdings: Die Wahlzettel sind längst gedruckt und bereits an rund 4.500 Briefwähler verschickt worden. Heißt: Wer die CSU-Liste ankreuzt und den 19-jährigen Liatsos nicht explizit durchstreicht, wählt einen AfDler.
Faktisch und rechtlich ist eine Änderung an den eingereichten Wahlvorschlägen seit Ende Januar nicht mehr möglich, sodass Chrisostomos Liatsos weiterhin auf dem Stimmzettel bei der CSU-Liste auf Platz 23 erscheint.
„Der Kandidat täuscht damit die Wähler“, erklärt Raul Würfl, Ortsvorsitzender der SPD Haar. Er erwarte, dass die CSU „jetzt ausdrücklich dazu aufruft, den Kandidaten vom Wahlzettel zu streichen“. Dazu teilt der Ortsvorsitzende der Haarer CSU, Dietrich Keymer, heute in einem Statement mit: „Liatsos wird, im Falle seiner Wahl in den Stadtrat, der Fraktion der CSU Haar nicht angehören. Stimmen, die Herr Liatsos auf der Liste der CSU bei der Wahl des Stadtrats am 8. März dennoch erhält, zählen zur Liste der CSU.“ Ganz so einfach ist das allerdings nicht. Sollte Liatsos gewählt werden, gilt die Wahl als angenommen, wenn der Gewählte nicht innerhalb von einer Woche ablehnt.
Raul Würfl von der SPD zeigt sich verwundert darüber, dass die Haarer CSU sich „offensichtlich nicht im Vorfeld über die politischen Einstellungen ihrer eigenen Kandidierenden informiert hat.“ Dazu lässt der Haarer CSU Chef Keymer wissen: „Das Herr Liatsos einen Neustart bei der Alternative für Deutschland ins Auge fasst, hat sein Umfeld und uns überrascht, zumal in der Zeit davor keine Tendenzen in diese Richtung erkennbar gewesen sind.“ Keymer vermutet in der „politischen Umorientierung“ eine „Kurzschluss-Reaktion“.

Was genau letztlich für Chrisostomos Liatsos, der zuvor bei der Jungen Union äußerst engagiert war, zum sofortigen Austritt aus der CSU geführt hat, ist unklar. Laut Keymer seien es „persönliche Gründe“ gewesen. Es ist auch von Vorwürfen gegen Liatsos die Rede, die dieser nicht ausräumen konnte oder wollte. Wir haben selbstverständlich auch Chrisostomos Liatsos um ein Statement gebeten.
