Die Wahlnachlese einzelner Parteien ist seit jeher ein ganz besonders fruchtbarer Nährboden für realitätsfremde Schönfärberei. Niederlagen gibt es nicht, schon gar keine Selbstkritik. Daran habe ich mich leider bereits gewöhnen müssen. Doch die Führung der Vaterstettener FDP legt noch eine Schippe drauf. Ein Kommentar von Markus Bistrick.
Sehr geehrte Ortsvorsitzende der FDP, geschätzte Frau Florek,
„Starkes Ergebnis für die FDP Vaterstetten“, heißt es da in Ihrem Insta-Post nach der Wahl. Man bedankt sich dort beim Wähler für das Vertrauen. Was soweit korrekt und nicht zu beanstanden ist. Weniger anständig ist allerdings, dass man ausgerechnet denjenigen mit keinem Wort erwähnt, der maßgeblich für den Erfolg der Vaterstettener FDP verantwortlich ist. Martin Hagen hat mit 3.382 Stimmen 15 Prozent zum Gesamtergebnis der Liberalen beigetragen und ist mit großem Abstand Stimmenkönig auf der FDP-Liste.
Ihn, wie bereits im Wahlkampf, hartnäckig zu ignorieren, ist zunächst ein Affront einem Parteifreund gegenüber, vor allem aber undankbar und respektlos all denjenigen gegenüber, die den Baldhamer – und möglicherweise nur ihn auf der FDP-Liste – gewählt haben. Stattdessen faseln Sie davon, dass das Wahlergebnis den Ansatz der Listenaufstellung bestätige und man bewusst neue Gesichter und engagierte Persönlichkeiten aus der Mitte unserer Gemeinde stärker in den Vordergrund gestellt habe.
Wörtlich schreiben Sie: „In unseren Top 5 findet sich – mit Ausnahme unseres Gemeinderats Klaus Willenberg – niemand, der zuvor ein Mandat innehatte oder politisch aktiv war.“ Fakt ist, von Ihren Top 5 hat auch künftig – außer Gemeinderat Klaus Willenberg – niemand ein Mandat inne. Denn: Auf den beiden FDP-Sitzen nehmen wieder Klaus Willenberg und Martin Hagen Platz. Das ist nicht wertend gegenüber all den anderen Kandidaten gemeint, die unstrittig alle kompetent und engagiert sind. Aber: So wie es ist, war es ganz offenkundig der Wunsch der Wähler, den es – ob es Ihnen nun gefällt oder nicht – zu respektieren gilt und der auch wieder einmal deutlich zum Ausdruck bringt, dass die Kommunalwahl eine Persönlichkeitswahl ist und Wähler parteipolitische Machtspielchen abstrafen. Im schlimmsten Fall übrigens mit Politikverdrossenheit.

Bei allen zwischenmenschlichen Animositäten: Die Wahl ist gelaufen, kehren Sie jetzt bitte wieder zu einer „Sachpolitik, die Probleme löst“ zurück und beenden Sie das Gegeneinander, so wie Sie es den Wählern auf Plakaten versprochen haben. Im Sinne der FDP und der Wähler. Einzig das ist es, was die Bürger wollen und was unsere Gemeinde jetzt so dringend braucht.
Unfreiwillig komisch erscheint übrigens Ihr letzter Insta-Post vor der Wahl: „Letzter Infostand vor der Wahl – danach seht ihr uns nur noch auf dem Wahlzettel.“ Ich hoffe doch nicht. Schließlich wollen und sollen Martin Hagen und Klaus Willenberg in den kommenden Jahren sichtbar sein und im Sinne des Gemeindewohls etwas bewegen. Aber das ist nur meine Meinung, ich freue mich auf Ihre. Die Kommentarfunktion steht Ihnen frei.
Herzlichst Ihr
Markus Bistrick
