An den westlichen Rand Deutschlands musste derjenige fahren, der in diesem Jahr an den nationalen Leichtathletik-Titelkämpfen der Senioren teilnehmen wollte. Für die sechs Vertreter vom TSV V hat sich die weite Fahrt zu den Masters-Meisterschaft in Mönchengladbach gelohnt.
Als hoher Favorit ging Gerhard Zorn in der Altersklasse M70 über 100 m, 200 m und 400 m an den Start. Er gab sich keine Blöße und gewann alle drei Rennen mit Zeiten von 12,93 Sek., 26,28 Sek. und 61,68 Sek. „Mit der Zeit über 100 m bin ich eigentlich ganz zufrieden“, sagt er. Er war etwas langsamer als bei seinem deutschen Rekord einen Monat vorher, aber es war kühler und es war deutlich weniger Rückenwindunterstützung. Etwas enttäuscht war er dagegen von seinem 200-m-Rennen, bei dem idealer Rückenwind und angenehme Temperaturen herrschten, die Zeit aber langsamer war als zuletzt. „Ich war mit anderen Erwartungen in den Lauf gegangen“, so seine Aussage. Der 400-m-Lauf fand kurz vor Ende der gesamten Veranstaltung statt und „da konnte ich mich nicht mehr motivieren“, gibt er zu. Was zur Folge hatte, dass er drei Sekunden langsamer war als bei der Bayerischen Meisterschaft zwei Wochen vorher. Dennoch war auch hier sein Sieg ungefährdet.
Zweimal Silber bei der Master-Meisterschaft ging an Dirk Schönmetzler in der Altersklasse M50. Die 100 m Hürden lief er in 14,67 Sek., im Weitsprung kam er auf 5,74 m. „Silber hat mir in meiner diesjährigen Medaillensammlung der Deutschen Meisterschaften noch gefehlt, dass es dann gleich zwei Medaillen wurden, ist umso erfreulicher“, sagt er. Wobei er insgeheim ein bisschen auf einen Sieg im Hürdenlauf spekuliert hatte, da er mit der besten Meldezeit angetreten war. „Ich bin aber hochzufrieden, da ich meine Leistung aus den Vorwochen bestätigen konnte“, fügt er hinzu. Und im Weitsprung war es wieder der sechste und letzte Versuch, in dem er am weitersten sprang und der ihm den 2. Platz „in einem spannenden Wettbewerb“ sicherte, wie er schildert.
Die dritte Silbermedaille für den TSV Vaterstetten ging auf das Konto von Ivana Gancheva in der Altersklasse W35 über 800 m mit einer Zeit von 2:22,65 Min. Dabei hatte die Veranstaltung für sie mit einer Enttäuschung begonnen: Über 1.500 m wollte sie ihren Titel verteidigen, nach 4:57,44 Min. sprang dort aber nur der 4. Platz heraus. Da sie wusste, dass ihre größte Konkurrentin schnell sprinten kann, sah ihr Plan vor, 600 m vor dem Ziel nach vorne zu gehen und möglichst viel Vorsprung herauszulaufen. „Ich hatte diesmal aber leider nicht die Beine, um das durchzuziehen“, sagt sie rückblickend. Als die spätere Siegerin an ihr vorbeigezogen ist, „habe ich irgendwie das Kämpfen aufgehört und bin dann leider ohne Medaille geblieben“, ergänzt sie. Aber wenigstens liefen die 800 m am Folgetag nach Plan: Ivana hielt sich immer auf Position 3 oder 4 „und 150 m vor dem Ziel bin ich voll gesprintet und auf Rang 2 gelaufen“, sagt sie.
Für zwei Disziplinen war auch Ingo Kemmerzell in der Altersklasse M60 gemeldet – und das bei seiner DM-Premiere. Sein erster Start über 300 m Hürden verlief allerdings enttäuschend: Nach einem guten Beginn „hatte ich erhebliche technische Probleme an der fünften Hürde, sodass ich viel Zeit verlor“, schildert er seinen Lauf. Deswegen standen am Ende nur 56,23 Sek. (Platz 6) zu Buche. Besser lief es zwei Tage später über 400 m. Nach einem mutigen Start konnte er seine Bestzeit um über 1,5 Sek. auf 66,55 Sek. verbessern und Rang 12 erreichen. „Das hat mich für die Enttäuschung bei der ersten Disziplin entschädigt“, fügt er hinzu.
Das Sextett der Vaterstettener Teilnehmer vervollständigten die „Einzeltäter“ Frank und Christian, die beide über 100 m antraten. Frank Böhnke kam in der M70 nach 15,49 Sek. ins Ziel, was Platz 12 bedeutete. „Wieder drei Zehntel langsamer als vergangenes Jahr“, stellt er fest und erzählt, dass er zuletzt kein spezielles Sprint-Training machen konnte. „Angesichts dessen bin ich durchaus zufrieden, mehr geht einfach nicht mehr“, lautet sein Fazit.
Christian Töpfer war erstmals überhaupt für eine Freiluft-Meisterschaft qualifiziert und ging nach dem Motto „Dabei sein ist alles“ an den Start. Seine 13,15 Sek. bedeuteten am Ende Rang 9 in der M55, womit er hochzufrieden war, denn er hatte damit seine Qualifikationszeit unterboten. Von den vielen „Nebengeräuschen“ einer solchen Großveranstaltung mit etwa 1.200 Teilnehmern ließ er sich nicht beeindrucken: Andere zeitliche Abläufe in der Vorbereitung, mit den Konkurrenten im Callroom sitzen, bevor ein Offizieller die Teilnehmer in den Stadioninnenraum führt – „das ist schon etwas Besonderes, ich habe mich davon aber zum Glück nicht nervös machen lassen“, blickt er zurück.

