Debatte um Energie und Verkehr

von Leon Öttl

Bei einer Podiumsdiskussion der Arbeitskreise Energiewende und Mobilitätswende stellten sich am Mittwochabend die vier Bürgermeisterkandidaten David Göhler (Grüne), Sonja Kiran (Freie Wähler), Maria Wirnitzer (SPD) sowie Amtsinhaber Leonhard Spitzauer (CSU) den Fragen der Arbeitskreise und des Publikums. Dabei zeigten sich viele Gemeinsamkeiten, aber auch unterschiedliche Ansichten.

Windrad ja oder nein? Kandidaten uneins bei der Energiewende

Welche Themen rund um die Energiewende sie in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit voranbringen würden, wollten Oskar Flach und Matthias Unger von den Bewerbern wissen. Man müsse jüngere Leute mitnehmen, so Sonja Kiran. Außerdem müsse man in den Gremien „viel besser zusammenarbeiten“.

Amtsinhaber Leonhard Spitzauer berichtete von akuten Herausforderungen. Unter anderem suche man derzeit einen neuen kaufmännischen Geschäftsführer für die GEMO, die gemeinsame Fördergesellschaft der am Geothermieprojekt beteiligten Gemeinden. Spitzauers Devise: „Wenig Blabla – machen.“ „Machen ist das Thema“, schloss sich Maria Wirnitzer an. Gerade im Fernwärmeausbau müsse man vorankommen, außerdem solle der „Klimawandel an sich“ stärker in den Fokus rücken. Gerade der Energiesektor sei bislang zu kurz gekommen, so Wirnitzer. David Göhler nannte eine bessere Kommunikation beim Thema Fernwärme als wichtige Maßnahme. Zudem sollten Planungen wieder aufgenommen werden, wo im Gemeindegebiet Windkraft entstehen könnte.

Zu diesem Themenkomplex gab es eine konkrete Frage: Die Geothermie benötigt Strom – braucht es dafür ein Windrad auf dem Gemeindegebiet, und wenn ja, wo? „Nicht so ideologisch“ müsse man das Thema sehen. Es brauche Windräder, aber nicht zwingend auf dem eigenen Gemeindegebiet. Man müsse globaler denken, unter anderem durch Beteiligungen der Gemeinde über das Eberwerk. Die Fördergesellschaft für Geothermie sei zudem im Gespräch über die Strombeschaffung mit dem Investor von Windrädern in Grasbrunn.

Anders sah dies Maria Wirnitzer: Sie forderte eine ergebnisoffene Untersuchung. Als „Challenge“ bezeichnete Sonja Kiran die Standortsuche. Windräder hätten „durchaus Vorteile“, die Platzierung sei aber nur an bestimmten Stellen sinnvoll. Diese würden dann oft nicht von den Bürgern getragen. David Göhler wies auf den Effekt der Gewerbesteuer hin, weshalb es „aus wirtschaftlicher Sicht Sinn“ mache, ein Windrad im Gemeindegebiet zu platzieren.

Zum Abschluss des Teils zur Energiewende sollten die Kandidaten darstellen, wie Vaterstetten 2030 beim Thema Energie dastehen könnte.

Vaterstetten werde dann „dem Ziel der CO₂-Neutralität wesentlich näher sein“, so David Göhler, „vor allen Dingen mit dem Thema Geothermie“. Für Sonja Kiran solle das Thema generationsübergreifender und interessanter werden, etwa durch sogenannte „Zukunftswochen“. Die FW-Kandidatin möchte Bürgererfahrungen und -ideen stärker einbringen: „Dann würde das Thema an Lebendigkeit gewinnen und noch andere Leute erreichen.“

Maria Wirnitzer fasste sich kurz: 2030 werde man noch nicht unabhängig von fossiler Energie sein, „aber wir kommen ein ganzes Stück voran, davon bin ich überzeugt“. Spitzauer schloss sich dem an: „Weil wir die Weichen gestellt haben.“

Verkehrswende vor Ort: Problemstellen und ÖPNV

Der zweite Teil zum Thema Verkehr, moderiert von Achim Dahlmann vom Arbeitskreis Mobilitätswende, begann mit der Frage, ob die Gemeinde bis 2040 „in ausgewählten Bereichen“ autofrei sein könne.

Viele ältere Bürger seien auf Autos angewiesen, weshalb er sich „nicht richtig vorstellen“ könne, im Bestand Autos zu verbieten, erklärte Spitzauer. Man könne Autofahrern „nicht verbieten, von ihrem Grundstück runterzufahren“. Für Neuplanungen schloss er dies jedoch nicht aus.

Ähnlich sah es Maria Wirnitzer, die konkrete Bereiche nannte, in denen nach der Umsetzung von Bauvorhaben – etwa am Bahnhofsvorplatz – eine Autofreiheit möglich sei. Gleichzeitig gab sie zu bedenken, dass „schon sehr viel mehr beim ÖPNV“ passieren müsse, nicht nur lokal, sondern in der gesamten Region. Zuerst müsse man das Autoaufkommen reduzieren, so Sonja Kiran, „sonst würde man das Problem verlagern“. Bei der aktuellen Verkehrssituation seien autofreie Bereiche nicht umsetzbar.

David Göhler betonte, dass man Ausnahmen für Anwohner schaffen könne. Ihm sei vor allem die Aufenthaltsqualität wichtig. Er brachte ein sogenanntes „Shared-Space-Konzept“ ein: Dabei wird die Fahrbahn verengt, und alle Verkehrsteilnehmer nehmen stärker Rücksicht aufeinander.

Den Kandidaten wurden Fotos von vier Verkehrssituationen gezeigt: der Unterführung in der Möschenfelder Straße, der Bahnhofsstraße, der Maibaumkreuzung sowie der Kreuzung Karl-Böhm-Straße auf Höhe der Alten/Neuen Poststraße. Foto: Leon Öttl/B304.de

Eine fahrradfreundliche Gemeinde bedeute, „dass man lückenlos sicher durch den Verkehr kommt“, so Kiran. Das müsse nicht für alle Straßen gelten, da sich nicht jede als fahrradfreundliche Straße eigne. Sie schlug unter anderem Beleuchtung und eine Leitplanke für Fahrräder in der Möschenfelder Straße vor.

David Göhler wies darauf hin, dass man bereits ein zeitweises Tempo 30 im Bereich der Unterführung beschlossen habe. Es handle sich jedoch um eine Kreisstraße, weshalb die endgültige Entscheidung beim Landratsamt liege. An der Maibaumkreuzung fände er eine Ampel oder einen Kreisverkehr sinnvoll.

Dass man bei zwei der genannten Stellen auf Kreisstraßen gar nicht zuständig sei, bestätigte auch Leonhard Spitzauer. Man könne lediglich „schöne Briefe schreiben“. Ein Kreisverkehr würde rund eine Million Euro kosten. „Wir können nicht auch noch die Aufgaben des Landkreises übernehmen.“ Derzeit werde geprüft, den Fußweg im Bereich der Fasanenstraße – eine gemeindliche Zuständigkeit – zu verbreitern, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Maria Wirnitzer ergänzte, man müsse etwas gegen Dauerparker in der Bahnhofstraße unternehmen. An der Karl-Böhm-Straße sei der Übergang gefährlich. Zudem gebe es viele Kanten an Bordsteinen, was das Überqueren für mobilitätseingeschränkte Personen erschwere. Als konkrete Maßnahme nannte sie, den Gehweg an der Unterführung zu verbreitern, indem ein Teil des Hangs abgetragen werde.

Beim Thema ÖPNV lobte David Göhler das gemeindliche Bussystem. Mit der Erhöhung der Taktung seien die Fahrgastzahlen gestiegen. Obwohl der ÖPNV „sehr gut funktioniert“ und die Kosten „enorm“ seien, müsse man sich dies leisten. Göhler sprach sich zudem dafür aus, Lösungen wie ein Ruf- oder ein autonomes System auszuprobieren.

Sonja Kiran nannte ergänzend einen On-Demand-Bus. Sie bemängelte die Taktung, insbesondere am späten Abend. Viele würden deshalb lieber das Auto als den Bus nutzen. Außerdem plädierte sie für eine bessere Qualität der Bushaltestellen, etwa durch Anzeigetafeln und Sitzmöglichkeiten. Im ÖPNV gebe es noch „Luft nach oben“.

„Luft nach oben ist immer“, kommentierte Maria Wirnitzer. Das Bussystem sei gut ausgearbeitet. Zudem wies sie auf den Seniorenfahrdienst hin. Bürgermeister Spitzauer ergänzte, es sei schon „alles gesagt“. Er selbst sei kein ÖPNV-Spezialist, wisse aber, wie man mit Finanzen umgehe. Daher solle auch der eigentlich zuständige Landkreis wieder die Kosten des gemeindlichen Busverkehrs tragen. Schließlich müsse die Gemeinde ohnehin Defizite anderer Buslinien des Landkreises mittragen.

Am Mittwoch, 11. Februar, um 19 Uhr im Bader Hotel in Parsdorf stellen sich alle vier Bürgermeisterkandidaten den Fragen von B304.de-Chefredakteur Markus Bistrick. Diskutiert werden alle zentralen Fragen zur Zukunft der Gemeinde Vaterstetten.

Die Veranstaltung wird per Livestream unter www.b304.de/klartext übertragen.