Der durchschnittliche Pkw auf deutschen Straßen ist inzwischen fast elf Jahre alt. Zum 1. Januar 2024 lag das Durchschnittsalter noch bei 10,3 Jahren, ein Jahr später bei 10,6 Jahren, und zum Jahresbeginn 2026 meldete das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen Wert von 10,9 Jahren. Der Bestand wächst nur noch langsam, die Preise für neue und gebrauchte Autos bleiben hoch, und viele Halter fahren ihr vorhandenes Fahrzeug einfach weiter.
Langsames Wachstum, Bayern legt stärker zu
Nach der Bestandsstatistik des KBA, die das Amt am 3. März 2026 in Flensburg veröffentlicht hat, waren zum Jahresbeginn rund 49,5 Millionen Pkw in Deutschland zugelassen. Das sind 0,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie aus der Pressemitteilung des Amts hervorgeht. Zählt man alle übrigen Fahrzeugarten wie Motorräder und Lkw hinzu, waren es 61,3 Millionen Kraftfahrzeuge. Rund 43,7 Millionen Pkw und damit 88,3 Prozent gehörten privaten Haltern, der Rest war gewerblich zugelassen. Beim Antrieb dominiert weiterhin der Verbrenner. Die Zahl der reinen Elektroautos stieg um 23,2 Prozent auf gut 2 Millionen, ihr Anteil liegt damit bei 4,1 Prozent. In Bayern stieg die Zahl der Pkw im selben Zeitraum von 8413688 auf 8468258. Das entspricht einem Plus von 54570 Fahrzeugen oder 0,6 Prozent, also etwa doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt. Auch bei der Dichte liegt der Freistaat weit vorn. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kamen in Bayern zum Jahresbeginn 639 Pkw auf 1000 Einwohner, bundesweit waren es 593. Nur zwei Bundesländer lagen höher. In ländlichen Regionen ist die Autodichte nach Angaben der Statistiker tendenziell höher als in den Städten.
Neuwagen teuer, Gebrauchte auf hohem Preisniveau
Bei den Preisen gibt es kaum Entspannung. Für den DAT Report 2026 der Deutschen Automobil Treuhand befragte das Marktforschungsinstitut NIQ GfK im vergangenen Jahr 4666 Personen zu Autokauf und Werkstattverhalten. Private Käufer zahlten demnach 2025 im Schnitt 44560 Euro für einen Neuwagen, nach 43530 Euro im Jahr davor. Ein Gebrauchtwagen kostete durchschnittlich 18310 Euro und damit rund 1,6 Prozent weniger als 2024. Im Vergleich zu 2016, als der Durchschnittspreis bei 11430 Euro lag, sind gebrauchte Autos trotzdem um rund 60 Prozent teurer geworden. Ein Neuwagen kostet im Schnitt etwa das 2,4fache eines Gebrauchten.
Die Befragung zeigt auch, wie Halter ihre Lage einschätzen. Laut einer Auswertung der DAT wollen 76 Prozent ihr aktuelles Auto länger fahren, um die weitere Entwicklung bei den Antriebsarten abzuwarten. 44 Prozent gaben an, wegen der aktuellen Entwicklungen Angst zu haben, sich das eigene Auto bald nicht mehr leisten zu können. Im DAT Report selbst bezeichnen 81 Prozent der Halter ihr Auto als unverzichtbar, und 90 Prozent sehen im eigenen Wagen eine Garantie für Freiheit und Unabhängigkeit. In die Werkstatt fahren die Deutschen seltener. Die Zahl der Reparaturen je Pkw sank laut DAT von 0,41 im Jahr 2024 auf 0,35 im Jahr 2025, die durchschnittlichen Kosten einer Reparatur lagen zuletzt bei 604 Euro. Auch Wartungsarbeiten fielen seltener an. Ihre Zahl je Pkw sank nach Angaben der DAT von 1,03 auf 0,97.
Wie viele Kilometer ein Auto im Jahr fährt
Neue Zahlen gibt es auch zur Fahrleistung. Im September 2026 veröffentlichte das KBA seinen Bericht zur Inländerfahrleistung für das Jahr 2025. Alle Pkw zusammen legten danach 562,3 Milliarden Kilometer zurück, 0,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Pkw fuhr im Schnitt 10616 Kilometer. Bei Benzinern waren es 8406 Kilometer, bei reinen Elektroautos 11312 Kilometer. Die Werte beruhen erstmals auf einer neuen Methode. Das Amt wertet dafür die Kilometerstände aus, die bei zwei aufeinanderfolgenden Hauptuntersuchungen erfasst werden, und hat die Ergebnisse für 2023 und 2024 entsprechend neu berechnet. Ältere Angaben, etwa die zuvor veröffentlichten gut 12300 Kilometer für 2024, lassen sich deshalb nicht direkt mit den neuen Zahlen vergleichen.
Die DAT kommt auf einen anderen Wert. In ihrer Befragung gaben private Halter für 2025 eine durchschnittliche Fahrleistung von 13140 Kilometern an. Der Unterschied zur Statistik des KBA beträgt 2524 Kilometer, gemessen am Wert des KBA also knapp ein Viertel. Beide Zahlen stammen aus unterschiedlichen Quellen. Die DAT befragt private Halter, das KBA rechnet für alle Pkw mit den Tachoständen, die bei Hauptuntersuchungen erfasst werden.
Viele Halterwechsel auf dem Gebrauchtwagenmarkt
Auf dem Gebrauchtwagenmarkt herrscht trotz der hohen Preise viel Bewegung. Im Jahr 2025 registrierten die Behörden nach Angaben der DAT 6,51 Millionen Besitzumschreibungen bei Pkw. Gemessen am Bestand von rund 49,5 Millionen Fahrzeugen entspricht das etwa 13 Prozent, rechnerisch kam also auf knapp acht Pkw eine Umschreibung. Ein privater Halter hat laut DAT im Laufe seines Autofahrerlebens im Schnitt bereits sechs Pkw besessen. Weil der Kilometerstand bei jeder Hauptuntersuchung erhoben wird, entsteht über die Jahre eine Reihe von Werten, die sich miteinander vergleichen lassen. Wer sein Auto privat verkaufen will, kann Interessenten mit den Unterlagen früherer Untersuchungen und einem gepflegten Serviceheft zeigen, wie sich der Stand entwickelt hat. Für Käufer ist eine solche lückenlose Reihe ein Hinweis darauf, dass die Angaben auf dem Tacho zur Geschichte des Fahrzeugs passen.
Auch bei Elektroautos gewinnt der Gebrauchtmarkt an Bedeutung. Private Halter kauften 2025 nach Berechnungen der DAT auf Basis der Daten des KBA rund 232000 gebrauchte Elektroautos und damit mehr als neue, von denen rund 195000 an Privatleute gingen. Laut DAT stiegen 2025 mehr als 400000 Privatpersonen auf ein Elektroauto um, mit einem neuen oder einem gebrauchten Wagen. Gemessen an allen Besitzumschreibungen bleibt der Anteil gebrauchter Elektroautos mit etwa 4 Prozent allerdings klein.
Wie lange Autos heute im Bestand bleiben können, zeigt auch die Zahl der historischen Fahrzeuge. Zum 1. Januar 2026 waren laut KBA gut 920000 Oldtimer zugelassen, Anhänger eingeschlossen, 4,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Darunter befanden sich rund 823000 Pkw. Gemessen am gesamten Bestand sind das allerdings weniger als 2 Prozent.
Neue Erhebung zur Fahrleistung läuft
Genauere Daten zum Fahrverhalten soll die Fahrleistungserhebung 2026 liefern. Die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) führt sie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums durch, das KBA übernimmt die Befragung per Post. Zufällig ausgewählte Halter werden gebeten, den Tachostand ihres Fahrzeugs zu zwei verschiedenen Zeitpunkten anzugeben, die Teilnahme ist freiwillig. Zusätzlich zählen Kameras den Straßenverkehr, dabei werden auch Fahrzeuge aus dem Ausland erfasst. Nach Medienberichten erhalten rund 200000 Halter Post vom KBA. Die letzte Erhebung dieser Art fand im Jahr 2014 statt.
