Auf Biogas ist Verlass

von b304

Biogas hat den wesentlichen Vorteil, dass die Energie speicherbar ist und nach Bedarf abgerufen werden kann. Hier liegt der wesentliche Vorteil im Vergleich zur PV-Anlage und Windkraft. Ein Vergleich der reinen Erzeugungskosten lässt Biogas schlechter abschneiden. Rechnet man aber für PV und Wind die zusätzlichen Speicherkosten hinzu, dann verschiebt sich das Bild wieder zu Gunsten von Biogas. Nur die Kombination aus den verschiedenen regenerativen Energien kann die Energiewende zum Erfolg führen. Zudem können die Kreisläufe für eine nachhaltige Landwirtschaft geschlossen werden um weiterhin auch hochwertige Lebensmittel erzeugen zu können. Nachhaltig ist hier das entscheidene Wort. Solange noch 50 Prozent unserer erzeugten Lebensmittel entsorgt werden, ist die Angst vor Hunger aufgrund von Biogasanlagen wohl überflüssig. B304.de hat bei Johann Böhm nachgefragt, der in Vaterstetten eine große Biogasanlage betreibt, die unter anderem der Fernwärme der Gemeinde zugute kommt.

B304.de: Herr Böhm, auf Ihrem Hof steht eine Anlage von beachtlicher Größe. Was geschieht unter der großen Kuppel?

Johann Böhm: Unter der großen Kuppel sammelt sich das entstehende Biogas CH4. In dem Behälter darunter findet ein Prozess statt, der vergleichbar wie die Verdauung der Rinder ist. Hier werden die unterschiedlichen Einsatzstoffe durch verschiedene Vorgänge zerlegt und dabei Biogas gebildet. Wichtig für einen effizienten Prozess ist dabei eine konstante Temperatur von 43 °C.

Was vergären Sie?

Grundsätzlich sind hierfür viele Einsatzstoffe geeignet. Wir vergären den anfallenden Mist aus der Tierhaltung mit anderen sog. nachwachsenden Rohstoffen. Diese sind die Hauptenergiepflanze Mais, Grassilage und Kleegrassilage. Die Energiepflanze Mais spielt hierbei noch eine große Rolle. Diese wird in den nächsten Jahren aber reduziert werden. Hierbei möchte ich aber die Gelegenheit nutzen, um auf die wesentlichen Vorteile der „Powerpflanze“ Mais einzugehen, da dieser meist falsch präsentiert wird! Der Mais ist die Ackerkultur mit geringen Pflanzenschutzaufwand und zudem ein effizienter Düngerverwerter. Er eignet sich super um anfallenden „Gärrest“ aus dem Biogasprozess optimal zu nutzen. Zudem wandelt 1 ha Mais in der kurzen Vegetation über doppelt so viel Kohlendioxid in Sauerstoff um als 1 ha Wald.

Ist es ein sauberer Prozess?

Ja. Durch die Vergärung von Tierausscheidungen werden Methanemissionen vermieden. Zudem gehen bei dem Prozess der Vergärung keine Nährstoffe verloren. Diese bleiben am Ende des Prozesses übrig und können dann wieder als wertvoller Dünger eingesetzt werden. Somit schließt sich der Kreislauf wieder!

Das Biogas kann einen Verbrennungsmotor antreiben, der wiederum einen Stromgenerator antreibt. Erzeugen Sie Strom?

Wir verarbeiten das entstehende Biogas vor Ort. Es wird für den Antrieb eines Verbrennungsmotors verwendet. Der Motor treibt dabei einen Generator an, der Strom erzeugt. Dieser wird dann ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Wir erzeugen hier in etwa Strom für 650 Haushalte aus Biogas.

Wenn der Motor Gas verbrennt, wird er heiß. Abwärme entsteht. Nutzen Sie die?

Ja, die entstehende Abwärme wird bei uns annähernd zu 100 Prozent genutzt! Wir versorgen hierbei unseren Betriebsstandort und den gesamten Reitsberger Hof. Zudem sind wir mit dem Heizwerk der Gemeindewerke über eine Wärmeleitung verbunden und speisen die Wärme ein. Unsere Wärme wird hier für etwa 120 Haushalte reichen.

Wenn Sie Strom und Wärme erzeugen, nutzen Sie die erzeugte Energie doppelt aus?

Grundsätzlich sollte es heute angestrebt werden, die anfallende Energie aus Prozessen zu nutzen! Es handelt sich hierbei um die sogenannten Kraftwärmekopplung (KWK). Unsere Wärme liefert derzeit den regenerativen Anteil im Vaterstettener Fernwärmenetz!

Herr Böhm, besten Dank.