Wer privat kauft, bildet Rücklagen und hält die Bude in Schuss. Das hat man im Rathaus Vaterstetten bei den vier gemeindeeigenen Häusern an der Baldhamer Straße und der Carl-Orff-Straße jahrzehntelang sträflich vernachlässigt. Mit der Folge, dass jetzt – nach gerade einmal 30 Jahren – sogar ernsthaft über einen Neubau diskutiert wird. Fakt ist: Die Gebäude sind marode. Stahlträger in Balkonen und Laubengängen rosten, Feuchtigkeit zieht in die Gebäudestruktur, Holzfenster und Türen müssen erneuert werden. Energetisch sind die Wohnblöcke ohnehin nicht auf der Höhe der Zeit. Es muss daher dringend etwas passieren. Aber was?
Eine Sanierung der insgesamt vier betroffenen Häuser, Baujahr 1997, würde nach aktuellen Schätzungen zwischen 4,5 und 6,3 Millionen Euro kosten – pro Haus! Und das nur für die Sanierungsmaßnahmen an der Hülle, also am allgemeinen Teil. Denn die 78 Wohnungen sind vermietet und können dementsprechend nur bei einem Mieterwechsel renoviert werden. Insofern sind diese Sanierungsmaßnahmen bei den geschätzten Kosten auch noch gar nicht eingerechnet. Demgegenüber stehen die geschätzten Kosten für einen Neubau in Höhe von 8,8 Millionen Euro – pro Haus. Ob Sanierung oder Ersatzneubau: Es geht um verdammt viel Geld – wohl mindestens 20 Millionen Euro. Geld, das die Gemeinde Vaterstetten nicht hat. Eine weitere Option wäre der Verkauf der Gebäude. Das ist aber (noch) kein Thema.
In der gestrigen Gemeinderatssitzung ging es laut Tagesordnung eigentlich gar nicht um eine längst überfällige Grundsatzentscheidung, sondern „lediglich“ um die Frage, ob mit den im Haushalt bereits eingestellten Geldern von 330.000 Euro eine Vorplanung für ein erstes Gebäude durchgeführt werden soll. Ohne diese Vorplanung, argumentierte die Verwaltung, seien weder Kosten belastbar noch Lösungen vergleichbar.
„Ein Abriss wäre der absolute Wahnsinn“
„Ich verstehe, dass wir diese 300.000 Euro ausgeben, damit wir wissen, wie viel es uns am Ende ungefähr kostet. Unterm Strich kommt aber doch ohnehin raus, dass wir uns weder Sanierung noch Neubau leisten können“, merkte Sonja Kiran von den Freien Wählern an. Auch Klaus Willenberg (FDP), der beharrliche Dauermahner in Sachen Haushaltsdisziplin, sieht keinen Grund dafür, weiteres Steuergeld für Gutachten auszugeben. Ihm reichen die aktuellen Zahlen, um über die Zukunft der Gebäude diskutieren zu können. Zuspruch kam von CSU-Gemeinderatskollege Konrad Rauch, auch wenn er sich nach rund einstündiger Debatte dann doch überraschend für weitere Gutachten aussprach. Aus Sicht des Parsdorfers sei eine Sanierung im Vergleich zu einem Neubau schlicht unwirtschaftlich. „Ein 30 Jahre altes Haus abreißen… das halte ich heutzutage für einen absoluten Wahnsinn“, hielt Stefan Ruoff von den Grünen dagegen – und meinte unter anderem CO2-Bilanz und soziale Verantwortung.

„Auch wenn die Ausgaben hoch sind, haben wir ja auch Einnahmen, und man kann an diesen Einnahmen noch drehen, wenn wir sanieren – etwa durch Mieterhöhungen“, sagte Bauamtsleiterin Brigitte Littke. Allerdings: Jährlich fließen zwar rund 830.000 Euro Mieteinnahmen, etwa 511.000 Euro gehen davon allerdings für laufende Kosten drauf. Bleibt ein Überschuss von gerade einmal rund 318.000 Euro. Dem gegenüber steht ein Sanierungsbedarf im zweistelligen Millionenbereich.
„Zu sagen, es reicht nicht, reicht nicht“
Michael Niebler, Fraktionschef der CSU, richtete einen eindringlichen Appell an das Gremium: Die „Zeitenwende“ der Kommunalfinanzen werde ab 2027 deutlich spürbar, eine „dramatische“ Lage sei absehbar. Projekte müssten daher priorisiert werden, freiwillige Leistungen auf den Prüfstand. Eine konkrete Lösung für die vier Gebäude blieb das CSU-Urgestein allerdings schuldig. „Zu sagen, es reicht nicht, reicht nicht. Es müssen die Alternativen aufgezeigt werden“, forderte die aufgrund einer Erkältung angeschlagene Bürgermeisterin von jedem einzelnen Ratsmitglied. Für Maria Wirnitzer (SPD) ist klar: Bestehender Wohnraum müsse erhalten werden.
Letztlich stimmte der Gemeinderat – ohne die Stimmen der beiden FDP-Gemeinderäte (Klaus Willenberg und Martin Hagen) – dafür, weitere Gutachten in Auftrag zu geben. Ein Spiel auf Zeit. Wie es grundsätzlich mit den maroden Gebäuden weitergeht, soll jetzt im Rahmen der Haushaltsberatungen entschieden werden. Man darf gespannt sein.
