Seit Schuljahresbeginn gilt in Parsdorf (Gruber Straße) und auf der Möschenfelder Straße Tempo 30. Vor allem in Vaterstetten sorgt das für politischen Zündstoff: Denn das Landratsamt hat die Geschwindigkeitsbremse auf einer längeren Strecke angeordnet, als die Gemeinde Vaterstetten ursprünglich wollte.
Auf der Möschenfelder Straße gilt ab sofort an Schultagen zwischen 7 und 18 Uhr Tempo 30 – von der Zugspitzstraße bis zur Ernst-Mach-Straße kurz vor der B304. In den Ferien werden die Schilder eingeklappt (!), dann darf wieder 50 gefahren werden. Analog wurde auch in der Parsdorfer Ortsmitte eine zeitlich begrenzte Tempo-30-Regelung angeordnet. Vorausgegangen war in Parsdorf ein Antrag der SPD, eine Geschwindigkeitsbegrenzung im Bereich des Dorfplatzes zu prüfen. Dieser wurde im Mai mit den Gegenstimmen der CSU beschlossen.

Für reichlich Diskussionen sorgt vor allem die Vaterstettener Variante: Der frühere Bauausschuss hatte nach langer Diskussion lediglich Tempo 30 zwischen Luitpoldring und Zugspitzstraße angeregt – und auch nur bis 17 Uhr. Das Landratsamt ging auf Basis der neuen Schulwegpläne deutlich weiter – nämlich bis zur Ernst-Mach-Straße und damit fast bis zur B304. Und nicht mehr bis 17, sondern bis 18 Uhr. Dabei hatte Landrat Robert Niedergesäß noch im August angekündigt, die längere Variante zunächst nicht vollständig umzusetzen. Zum Schulstart standen die Schilder dann trotzdem auf der gesamten Strecke.
„Mich irritiert der Vorgang schon“, sagte CSU-Gemeinderat Philipp Trepte im Bau- und Mobilitätsausschuss. Die Erweiterung der Strecke sei „ein bisschen durch die Hintertür“ erfolgt. Noch deutlicher wurde Fraktionskollege Benedikt Weber: Er sprach von einer „Farce“. Seiner Ansicht nach hätte man mit den neuen Schulwegplänen zunächst zurück ins Gremium kommen sollen, bevor das Landratsamt um Prüfung gebeten wurde.
„Nicht die Vorstufe vom Weltuntergang“
Sonja Kiran (FW) warnte, die Verlängerung könne die Akzeptanz in der Bevölkerung senken. Josef Mittermeier (SPD) hielt dagegen, man stelle damit „die Sicherheit von Kindern hinten an“. Die längere Strecke müsse aus seiner Sicht Konsens sein, schließlich orientiere sich das Landratsamt an den Schulwegplänen, in denen der Schulweg bis zur Ernst-Mach-Straße eingezeichnet ist. Und überhaupt sei Tempo 30, so Mittermeier, „nicht die Vorstufe vom Weltuntergang“.
Auch die Grünen konnten die Aufregung nicht recht nachvollziehen. „Das bricht uns keinen Zacken aus der Krone“, sagte David Göhler. Thomas Dingler (SPD) argumentierte, es tue niemandem weh, vorher vom Gas zu gehen.
Benedikt Weber stellte dagegen klar, dass es aus seiner Sicht längst um eine grundsätzliche politische Frage gehe. Seine Fraktion befürworte Tempo 50 auf Ortsdurchfahrten; Tempo 30 solle auf „Nadelöhrbereiche“ beschränkt bleiben. Den betreffenden Schulweg gebe es schließlich schon seit Jahrzehnten.
Nach dieser Logik dürfte man allerdings nie etwas ändern, entgegnete Bürgermeisterin Maria Wirnitzer (SPD) und verwies auf das gestiegene Verkehrsaufkommen.
Am Ende sprach sich der Bauausschuss mit den Stimmen von CSU, FDP und FW gegen die längere Variante aus. Warum wurde jedoch überhaupt abgestimmt? Praktische Folgen hat das Votum nicht: Über die Geschwindigkeitsbegrenzung entscheidet allein das Landratsamt.
