Mit „Diesen Sommer springen wir“ legt die Vaterstettener Autorin Alexandra Blöchl, die mit dem SZ-Redakteur Bernhard Blöchl verheiratet ist, einen ebenso leichten wie tiefgründigen Familienroman vor. Eine Geschichte über Verlust, das Erwachsenwerden und den Mut, sich endlich der Wahrheit zu stellen.
Alexandra Blöchl ist längst keine Unbekannte mehr: Unter anderem unter dem Pseudonym Anne Sanders hat die frühere Journalistin bereits mehrere Bestseller veröffentlicht. Ihr erst am 3. Juli veröffentlichter Roman erscheint unter ihrem echten Namen – und „Diesen Sommer springen wir“ hat mich von der ersten Seite an gepackt.
Im Mittelpunkt steht die 17-jährige Olive Anders, die mit ihrer Mutter und ihren drei Geschwistern in einem kleinen Dorf lebt. Seit fünf Jahren steht das Leben der Familie still. Damals waren am Himmel über dem Ort Polarlichter zu sehen – ein spektakuläres Ereignis, das alle Dorfbewohner nach draußen lockte. Während sämtliche Blicke nach oben gerichtet waren, verschwand Olives Vater spurlos.
Die Mutter hat sich seither fast vollständig aus dem Familienleben zurückgezogen, die vier Geschwister versuchen jeder auf seine Weise, mit der Ungewissheit zurechtzukommen. Enger zusammengerückt sind sie dadurch nicht. Und Olive, die ihre Gefühle hinter fantastischen Geschichten versteckt, trägt ein Geheimnis mit sich herum. Offenbar weiß sie mehr über das Verschwinden ihres Vaters, als sie bislang zugegeben hat.

Erzählt werden fünf Sommertage vor dem Jahrestag des Verschwindens. Im Dorf soll ausgerechnet mit einem großen Fest an die damaligen Polarlichter erinnert werden. Dann taucht auch noch ein Journalist auf, der unangenehme Fragen stellt. Doch der gerät schnell in den Hintergrund, als plötzlich Olives kleiner Bruder Kjell verschwindet – genau wie einst der Vater.
Was nach schwerer Kost klingt, erzählt Alexandra Blöchl erstaunlich leicht, warmherzig und immer wieder mit leisem, feinem Humor. Es geht um Trauer und Schuld, aber auch um Freundschaft, erste Liebe, Geschwisterbeziehungen und die Frage, wann der Moment gekommen ist, sich aus der Vergangenheit und den Lügen zu lösen.
„Diesen Sommer springen wir“ ist eine feine Sommerlektüre mit Tiefgang: emotional, spannend und berührend, ohne dabei jemals schwermütig, aber eben auch nicht albern zu werden. Die Geschichte entwickelt dabei einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Ich jedenfalls habe das Buch in einem Rutsch gelesen.