Zwischen Gemeinderatsprotokollen, alten Fotografien und sorgsam beschrifteten Archivkartons hat Albert Weber im Sommer 2025 seinen Platz gefunden – als neuer Gemeindearchivar von Vaterstetten. Der 41-Jährige ist in Haar aufgewachsen und freut sich, „wieder in die Heimatnähe gezogen“ zu sein. Er lebt inzwischen selbst in Vaterstetten.
Studiert hat Albert Weber an der Ludwig-Maximilians-Universität München Geschichte, Rumänische Philologie und Byzantinistik. Seine Familie stammt aus Rumänien, promoviert hat er über Vlad III., bekannt als Vlad der Pfähler oder Dracula. „Das war ein sehr interessantes Thema, weil er zu seinen Lebzeiten und auch Jahrzehnte danach für ziemlich viel Aufsehen gesorgt hat“, sagt Weber und lächelt. Für seine Forschungen arbeitete er in mehr als 20 Archiven, sogar im Vatikan. „Ich bin wochenlang über handschriftlich verfassten Papieren gesessen, um sie zu entziffern.“ Dort habe er schließlich beschlossen, Archivar zu werden.
Heute verantwortet er das Verwaltungsarchiv der Gemeinde Vaterstetten und arbeitet zwischen unzähligen Aktenordnern mit Zeitungsartikeln, kistenweise Fotos, Dokumenten, Urkunden und Protokollen. „Mir werden alle Unterlagen von der Verwaltung angeboten, und ich bestehe auch darauf, dass nichts weggeworfen wird – am Ende übernehme ich aber nur die archivwürdigen Dinge.“ Das älteste Gemeinderatsprotokoll stammt übrigens von 1855. „Ich kann nicht alles archivieren und muss auch nicht alles archivieren. Ich wäge ab, für wen etwas in Zukunft relevant sein wird.“ Ihm ist es wichtig, Informationen stets kritisch zu bewerten: „Wir reden derzeit viel über Informationskompetenz. Ich mache das eben für die Vergangenheit“.

Sich selbst versteht der Archivar als neutralen Dienstleister: „Ich sammle Quellen, um sie der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, ohne sie zu bewerten, aber nach Maßgaben der rechtlichen Bestimmungen.“ Gleichzeitig treibt er die Digitalisierung voran und engagiert sich im Historischen Verein des Landkreises für ein regionales Online-Lexikon, das die Geschichte aller Kommunen sichtbar machen soll. Darüber hinaus betreibt er mit einem Kollegen einen YouTube-Kanal in rumänischer und englischer Sprache, auf dem historische Mythen – insbesondere zum Osmanischen Reich – kritisch beleuchtet werden.
Auch wenn Vaterstetten im Vergleich zu anderen Orten auf den ersten Blick keine spektakuläre Vergangenheit vorweisen mag, sieht Albert Weber das differenzierter. Die Gemeindeteile waren früher nicht besonders wohlhabend, prunkvolle Bauten oder bedeutende Kunstschätze sucht man hier vergeblich. „Trotzdem ist es heute sehr angenehm hier in Vaterstetten zu leben“, sagt er. „Und das ist definitiv auch eine historische Leistung.“

Ein besonderes Herzensprojekt ist Albert Weber die geplante Zeitkapsel-Aktion des Gemeindearchivs: Bürgerinnen und Bürger können versiegelte Texte hinterlegen, die erst Jahrzehnte später geöffnet werden. So möchte Weber ganz persönliche Stimmen unserer Gegenwart für die Zukunft bewahren. Aufbewahrungsort ist dafür der antike Tresor des ehemaligen Rathauses in Parsdorf. Kontakt: albert.weber@vaterstetten.de
