Wenn man in Baldham einen Globus drehen würde, dann bliebe der Finger wohl kaum auf einem Fleck stehen, an dem Georg „Schorsch“ Kirner nicht schon gewesen ist. 197 Länder hat er bereist – Sechzig Jahre lang war die Welt sein Zuhause. Heute wird der große Abenteurer 90 Jahre alt. Und seinen Ehrentag feiert Schorsch Kirner standesgemäß.
Schon am Morgen ließen die Anzinger Böllerschützen Kirner Schorsch zu Ehren dreimal ihre Salven krachen – ein donnernder Gruß für einen Mann, der sein Leben lang keine Angst vor lauten Momenten hatte. Verwandte, Freunde, Vertreter der Gemeinde und des Landkreises sind gekommen, um zu gratulieren. Geschenke werden überreicht, Schnittchen und Kuchen gereicht – und überall hört man Geschichten von einem, der immer wieder aufgebrochen ist.



Kirner war sein Leben lang unterwegs. Er lebte bei den Tellerlippenfrauen in Äthiopien, bei Giraffenfrauen in Burma. Wochenlang blieb er bei Naturvölkern als Gast, lernte Bräuche und Rituale kennen, schrieb alles nieder. „Wir haben uns mit Händen und Füßen unterhalten oder eben mit Zeichensprache so gut es ging “, erinnert er sich lachend zurück.
Sein Haus in Baldham gleicht einem Museum. Auf drei Etagen finden sich Spere, Blasrohre, Schriftrollen und unzählige Fotos. Jeder Gegenstand trägt eine Geschichte – und Schorsch kennt sie alle.
Geboren wurde er 1936 in Geitau, als unehelicher Sohn einer Magd und eines Knechts. Früh lernte er, sich durchzubeißen. Als Bub hütete er die Kühe seiner Oma auf der Alm im Valepp-Tal. Dort oben, auf den Berggipfeln, begann sein Fernweh. Er wollte schon immer wissen, was hinter den Bergen liegt. Mit 24 Jahren schnappte er sich mit 250 Mark in der Tasche das Radl seines Vaters und machte sich auf den Weg. Über Venedig nach Nordafrika, bis zu den Pyramiden in Ägypten.
Drei Flugzeugabstürze überlebte er, verbrachte drei Monate am Hof des Dalai Lama und reiste 14 Mal nach Tibet. “Der Dalai Lama hat mir den Rat gegeben dieses Leben zu genießen, es könnte schon dein letztes sein“, so Schorsch Kirner nach seinem Lebensmotto gefragt. Zwei Weltrekorde hält Kirner bis heute: Als ältester Mensch war er zu Fuß am Nordpol – mit 63 – und am Südpol – mit 67. Um sich auf die Extremen Temperaturen vorzubereiten, schlief er in einem Froster beider Münchner Großmarkthalle. Bei minus 60 Grad !
An seiner Seite stand immer Renate. Seit 60 Jahren sind die beiden verheiratet, 2025 feierten sie ihre diamantene Hochzeit. Sie selbst schrieb Berggeschichte als erste Frau auf einem 6000er in Nepal. Gemeinsam starteten sie im VW-Bus Richtung Indien. Das war damals ihre Hochzeitsreise.
Vielleicht dreht sich der Globus heute in Baldham ein kleines bisschen langsamer. Denn einer, der ihn jahrzehntelang umrundet hat, feiert seinen 90. Geburtstag. Wir wünschen dazu alles Gute!

