Bekanntlich dauert die Auszählung der Kreistagswahl lange. Während die Wahlhelfer in Vaterstetten die Auszählung bereits am Wahlabend – teilweise erst nach Mitternacht – abgeschlossen hatten, gingen aus anderen Gemeinden erst am Montagmittag die letzten Ergebnisse ein. Die meisten Parteien schnitten ähnlich ab wie vor sechs Jahren. Einen deutlichen Zuwachs verzeichnete die AfD, die Grünen verloren mit 3 Sitzen die meisten Mandate.
Mit dem Wahlergebnis verschlechtert sich die Präsenz der Gemeinde im Gremium: Neben dem Landrat aus Baldham kommen zehn der ehrenamtlichen Mitglieder aus Vaterstetten, was einem Sechstel der Sitze entspricht. Das entspricht in etwa dem Bevölkerungsverhältnis: etwas mehr als jeder sechste Landkreisbürger wohnt in Vaterstetten. Künftig sind neben dem Landrat nur noch sieben Gemeindebürger Mitglieder des Kreistages: Relativ betrachtet entspricht dies nur noch rund zwei Dritteln des Sitzanteils, der dem Bevölkerungsanteil entsprechen würde.

An der Sitzverteilung änderte sich im Vergleich zur Wahl vor sechs Jahren kaum etwas. Unverändert erreicht die FDP zwei Sitze. Je einen Sitz verloren haben die Freien Wähler und die ÖDP. Je einen Sitz hinzu gewinnen CSU, SPD sowie die Linke. Den größten Sitz-Zuwachs verzeichnete die AfD: Sie ist künftig mit sechs statt bislang drei Sitzen vertreten. Die Grünen verlieren drei Sitze und sind nun mit 12 Kreisräten vertreten. Die Bayernpartei trat nicht mehr an. Damit sind acht statt bislang neun Parteien im Gremium vertreten.
CSU
Um 0,9 Prozentpunkte verbessert hat sich die CSU, die 41 % der Stimmen erreichte. Künftig stellt sie mit 25 Vertretern ein Mandat mehr als bislang, hinzu kommt der wiedergewählte Landrat Robert Niedergesäß, der bereits kraft Amtes Teil des Kreistages ist.
Innerhalb der Liste gab es mehrere deutliche Wählerkorrekturen: der Vaterstettener JU-Kreisvorsitzende Philipp Trepte verzeichnete den zweitgrößten Verlust innerhalb der Liste. Er ging auf Platz 5 an den Start und erreichte am Ende Rang 19.
Einen Aufstieg um 16 Plätze erreichte der Wirt des Purfinger Haberers, Maximilian Mack, der in Vaterstetten nach Bürgermeisterkandidat Leonhard Spitzauer die meisten Stimmen erhielt. Mit Rang 27 verpasste der Gastronom den Einzug in den Kreistag haarscharf und stellt nun den ersten Nachrücker der Partei.
Wiedergewählt wurde Vaterstettens Bürgermeister Leonhard Spitzauer. Die bisherigen Kreisräte Martin Wagner, Sonja Ziegltrum und Angelika Niebler traten nicht erneut für den Kreistag an.
Neu für die CSU aus Vaterstetten im Kreistag: der künftige Kreisbrandrat Albert Wirth aus Hergolding sowie Matthias Vodermeier, Landwirt aus Neufarn.
Es bleibt bei vier CSU-Vertretern aus der Gemeinde.
Grüne
Die Grünen verlieren 5,2 Prozentpunkte und sind mit einem Ergebnis von 19,2 % der gültigen Stimmen künftig mit 12 statt 15 Sitzen im Kreistag vertreten.
Während der Vaterstettener Schulleiter Johannes von der Forst die Wiederwahl erreichte, gelang Veronika Ruoff, Spezialistin für Applikationsmanagement und Beisitzerin im Grünen-Ortsvorstand aus Vaterstetten, der Wiedereinzug nicht. Dafür zieht die Betriebswirtin Sarah Onken aus Parsdorf ein, sie war auf dem ersten Listenplatz noch vor dem Landratskandidaten Thomas von Sarnowski gestartet.
Somit bleibt es auch hier bei zwei Vertretern aus der Gemeinde.
SPD
Die SPD verbesserte sich von sechs auf sieben Sitze und erreichte mit 12 % der gültigen Stimmen einen Zuwachs um 1,4 %. Große Panaschier-Effekte gab es auch hier, hauptsächlich bei Kandidaten anderer Gemeinden.
Mit der Vaterstettener Bürgermeisterkandidatin und Landschaftsarchitektin Maria Wirnitzer wird Vaterstetten weiterhin mit einem SPD-Sitz repräsentiert. Raphael Melcher, der auf dem Listenplatz sechs für den Kreistag ins Rennen ging, verpasste den Einzug.
AfD
Den größten Stimmenzuwachs verzeichnete die AfD: mit 10,5 % der gültigen Stimmen vertreten die AfD künftig sechs statt bislang drei Kreisräte und verdoppelt somit ihre Präsenz im Kreistag.
Bislang kamen zwei der drei Vertreter aus der Gemeinde: Heidelinde Pelz, Justizangestellte in Rente und der langjährige ehemalige Gemeinderat Manfred Schmidt, den die AfD auf dem letzten Listenplatz ins Rennen schickte.
Vom Lokalbonus konnte Schmidt in diesem Jahr nicht profitieren: Er erhielt in seiner Heimatgemeinde die wenigsten Stimmen aller AfD-Kandidaten und verabschiedet sich somit aus der Kommunalpolitik. Auch Heidelinde Pelz verpasste den Wiedereinzug. Somit kommt kein AfD-Vertreter aus der Gemeinde.
Freie Wähler
Während die Freien Wähler in Vaterstetten ihre Sitze verdoppeln konnten, verlieren sie auf Kreisebene rund 2,3 % der Stimmen und erreichen 7,6 % der gültigen Stimmen. Somit sind sie künftig mit einem Sitz weniger, nämlich fünf Sitzen, im Kreistag vertreten.
Die aussichtsreichsten Vaterstettener Kandidaten verpassten damit den Einzug: Zahnarzt Klaus Färber (Listenplatz 1) erreichte den sechsten, die Bürgermeisterkandidatin und Projektmanagerin Sonja Kiran (Listenplatz 4) den siebten und Tierärztin Bianca Dusi-Färber (Listenplatz 8) den achten Rang.
Auffällig viele Stimmen erhielt Thomas Lechner aus Frauenneuharting, der von der Bayernpartei zu den FW übergelaufen war. Er erhielt die meisten Stimmen aller FW-Kreistagsbewerber. Die Bayernpartei wurde nicht zur diesjährigen Wahl zugelassen, bislang stellte sie zwei Kreisratsmandate.
Einen deutlichen Sprung schaffte der in Poing wohnhafte und in Baldham praktizierende Kinderarzt Lampros Kampouridis, der von den Wählern von Platz 10 auf Rang 4 vorgehäufelt wurde.
Georg Reitsberger, der in Vaterstetten vom letzten auf den dritten Listenplatz vorgehäufelt wurde und somit in den Gemeinderat einzieht, ist derzeit der einzige FW-Kreisrat aus der Gemeinde. Er konnte seine Platzierung auch bei der Kreistagswahl deutlich verbessern, zog aber nicht erneut ein. Damit kommt kein FW-Kreisrat aus der Gemeinde.
FDP
Bei den Liberalen gibt es als einzige Partei keine Veränderung. Die FDP erreichte mit 3,9 % ihr Ergebnis der Vorwahl.
Die meisten Stimmen erhielt wie schon bei der Gemeinderatswahl in Vaterstetten der Baldhamer Martin Hagen, der auf Platz 4 ins Rennen ging. Hagen erhielt schon 2020 ein Mandat, legte dieses aber Ende 2021 nieder, nachdem der damalige Fraktionschef im Landtag zusätzlich zum Landesvorsitzenden seiner Partei gewählt wurde. Damit sitzt nach gut vier Jahren Pause wieder ein FDP-Vertreter aus der Gemeinde im Kreistag.
Die Linke
Die Linke erreichte 3,6 % und verdoppelt ihre Sitzzahl damit auf zwei. Vor sechs Jahren erhielt die Partei noch 1,9 % der gültigen Stimmen. Der Handwerksmeister Thomas Heimisch, einziger Bewerber aus Vaterstetten, erreichte den fünften Platz.
ÖDP
Die ÖDP verschlechtert sich um 0,8 Prozentpunkte auf 2,2 % und stellt künftig einen Sitz. Der Unternehmer Franz Salzberger aus Baldham trat als einziger Kandidat aus der Gemeinde an und erreichte den 27. Rang.
