Nach kurzer, schwerer Krankheit ist Altbürgermeister Hans Wehrberger am 2. Januar im Alter von 84 Jahren verstorben. Mit ihm verliert Haar eine Persönlichkeit, die die Entwicklung der Kommune über Jahre hinweg entscheidend mitgeprägt hat: einen Vordenker mit Tatkraft und Mut – und einen Menschen, der Haltung zeigte und dabei stets ein großes Herz bewahrte. Ein Nachruf der Stadt Haar.
Wer Anfang der 1980er-Jahre auf Haar blickte, sah eine Gemeinde wie viele andere. Doch innerhalb weniger Jahre begann eine Zeit des Aufbruchs. Ab 1984 wurden Entscheidungen getroffen, die nicht nur weitreichend, sondern in vielem visionär waren – und deren Wirkung bis heute spürbar bleibt. Haar entwickelte Profil, gewann an Strahlkraft und nahm in manchem sogar eine Vorreiterrolle ein.
Eng verbunden ist diese Phase mit Hans Wehrberger, der von 1984 bis 1992 als Bürgermeister die Geschicke der Kommune leitete. Ein Glücksfall für Haar – gerade weil er kein „gebürtiger Haarer“ war, sondern ein Zugezogener, der in der Landkreisgemeinde seine Heimat fand und sie mit großer Hingabe mitgestaltete.
Vom Haidhauser Jungen zum Haarer mit Herz
Aufgewachsen in Haidhausen, zog Hans Wehrberger 1973 gemeinsam mit seiner Frau Gisela und den drei Töchtern nach Haar – in das Neubaugebiet am Jagdfeldring. Die Familie gehörte zu den Pionieren eines neuen, damals nicht unumstrittenen Ortsteils, der vielerorts noch Baustelle war. Doch die Wehrbergers kamen nicht nur an – sie brachten sich ein.
Hans Wehrberger engagierte sich im Jagdfeld-Ausschuss und als Elternbeirat, seine Frau wurde 1978 in den Gemeinderat gewählt. Schon damals war spürbar, was die Familie auszeichnete: Verantwortungsgefühl, Interesse am Gemeinwohl – und der feste Wille, Dinge anzupacken.
Beruflicher Erfolg – und der Schritt in die Politik
Seine berufliche Laufbahn begann Hans Wehrberger bei Siemens, wo er sich bis zum Abteilungsleiter eines Rechenzentrums hocharbeitete. Später wechselte er zum Landesverband der Betriebskrankenkassen und leitete dort ein Rechenzentrum, das für 378 Betriebskrankenkassen zuständig war.
Trotz dieser erfolgreichen Karriere entschied er sich 1984 bewusst für den Weg in die Kommunalpolitik. Er kandidierte für die SPD – und Haar wählte ihn zum Bürgermeister. Schon diese Wahl stand sinnbildlich für Veränderung: Hans Wehrberger war der erste Bürgermeister der Gemeinde, der weder Landwirt noch Beschäftigter der Klinik war. Haar war im Wandel – und er wurde zum Gesicht dieses Aufbruchs.
Ein Bürgermeister in der Krise – und nah bei den Menschen
Noch bevor langfristige Projekte Gestalt annehmen konnten, musste Hans Wehrberger sich auf ganz anderer Ebene beweisen – als Krisenmanager. Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt richteten tennisballgroße Hagelkörner schwere Schäden an Gebäuden und Fahrzeugen an. Die Hagelkatastrophe stellte die Gemeinde vor enorme Herausforderungen.
Doch gerade in dieser Ausnahmesituation zeigte sich, was viele später an Hans Wehrberger schätzten: Er blieb ruhig, handelte schnell, koordinierte Hilfe, organisierte, verband, motivierte. Vor allem aber blieb er nah bei den Menschen. Er regierte nicht von oben herab, sondern mit offenem Ohr – und offenem Herzen. Und genau damit gewann er Vertrauen.
Meilensteine für Haar
Wer Hans Wehrberger begegnete, erinnert sich an einen Menschen, der zuhören konnte – wirklich zuhören. An jemanden, der Ideen ernst nahm, sie auf-nahm und dann mit Klarheit und Entschlossenheit umsetzte.
In seiner Amtszeit wurden Meilensteine realisiert, die Haar bis heute prägen: die Sanierung des Ortskerns, das Maria-Stadler-Haus, der Um- und Ausbau des Rathauses, die Sanierung der „alten Schule“, das Bürgerhaus sowie die Neugestaltung von Kirchen- und Bahnhofplatz.
Städtebaulich gelang ihm etwas, das selten ist: Er bewahrte die Identität des Ortes – und öffnete zugleich Raum für Zukunft. Mit dem Sport- und Freizeitpark sowie dem Gewerbe- und Siedlungsgebiet in Eglfing schaffte Haar unter
seiner Führung den sprichwörtlichen Sprung über die Bahnlinie – ein Schritt, der Entwicklung ermöglichte, ohne die Wurzeln zu verlieren.
Mit Weitsicht in die Zukunft
Trotz Wachstum und Veränderung vergaß Hans Wehrberger nie, worauf Kommunalpolitik letztlich beruht: auf den Menschen. Er nahm Sorgen ernst, scheute Debatten nicht und zeigte Haltung – in kleinen wie in großen Fragen. Zukunftsziele machte er verständlich und sichtbar: Ein erster detaillierter Landschaftsplan etwa sicherte Grünflächen im Haarer Norden und verhinderte die Erschließung von Neu-Riem über Haarer Flur.
Hans Wehrberger war seiner Zeit oft voraus. In seine Amtszeit fällt die erste Kinderkrippe in Haar, ebenso die Einführung von Tempo 30 in Wohnstraßen. Die Gemeinde bekam als erste Kommune im Landkreis eine Umweltreferentin im Rathaus, es wurden eine Baumschutzverordnung erlassen und eine Energiesparberatung angeboten – in den 1980er-Jahren, lange bevor „Nachhaltigkeit“ zum gesellschaftlichen Leitbegriff wurde. Was damals teils kontrovers diskutiert wurde, wirkt heute selbstverständlich.
Ein neuer beruflicher Weg – Haar blieb im Herzen
Auch außerhalb der Kommune blieb seine Arbeit nicht unbemerkt. Als Siemens ihm 1992 die Stelle als Geschäftsführer der Betriebskrankenkasse anbot, nahm Hans Wehrberger an – ein beruflicher Neustart mit 50 Jahren. Bis zu seinem Ruhestand blieb er dort tätig. Haar jedoch ließ ihn nicht los: Seine Gemeinde und spätere Stadt trug er stets im Herzen.
Mit Hans Wehrberger geht ein Mensch von uns, der Verantwortung nicht als Titel verstand, sondern als innere Haltung – still, verlässlich und mit großem Pflichtbewusstsein. Als Bürgermeister war ihm die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern keine Pflichtübung, sondern Ausdruck seiner Persönlichkeit. Er war ein Haarer, der seine Heimat nicht nur liebte und bewohnte, sondern sie mit Weitsicht und Tatkraft mitgeprägt hat.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Angehörigen. Wir werden Hans Wehrberger ein ehrendes Andenken bewahren.
