Heute vor 20 Jahren, am 1. Februar 2006, wurde die medizinische Erstversorgung in der Gemeinde Grasbrunn entscheidend verbessert: Die First-Responder-Gruppe der Feuerwehr Harthausen nahm ihren Dienst auf. Möglich wurde dies durch die große Hartnäckigkeit des damaligen Kommandanten Markus Mende und seines Stellvertreters Florian Leibig. Nach einer bemerkenswert kurzen Planungszeit von nur vier Monaten konnte das Projekt starten – getragen von einer breiten Zustimmung im Gemeinderat Grasbrunn.
Bis zur Umsetzung galt es jedoch, einige bürokratische Hürden zu überwinden. Gesetzlich vorgeschrieben war unter anderem eine Mindeststärke von zehn speziell ausgebildeten Feuerwehrdienstleistenden sowie die Bestellung eines ärztlichen Leiters. Eine zunächst angedachte Zusammenarbeit mit einer benachbarten Feuerwehr scheiterte an den damaligen Verantwortlichen. Umso glücklicher war die Verbindung von Markus Mende zu dem damals 30-jährigen Arzt Dr. Christian Stenke aus Neukeferloh. Er engagierte sich von Beginn an intensiv für den Aufbau der Einheit und brachte sein medizinisches Wissen ehrenamtlich als Notfallarzt ein.

Es gelang, 15 Feuerwehrangehörige für die anspruchsvolle Zusatzaufgabe zu gewinnen. Sie absolvierten eine medizinische Basisausbildung von 80 Stunden, die bis heute durch monatliche Sonderausbildungen vertieft wird. Zusätzlich ist jährlich eine Fortbildung mit zwölf Unterrichtseinheiten verpflichtend – andernfalls erlischt die Genehmigung, wie es das Bayerische Innenministerium vorschreibt.
Seit ihrer Gründung wurde die First-Responder-Gruppe der Feuerwehr Harthausen zu insgesamt 2.197 Einsätzen im Gemeindegebiet und den umliegenden Ortschaften alarmiert. In dieser Zeit konnten Verletzten und Erkrankten geholfen, Schmerzen gelindert und Leben gerettet werden. Zudem übermitteln die First Responder bereits während der Anfahrt der nachfolgenden Rettungskräfte wichtige Informationen zum Krankheits- oder Verletzungsbild.
Gerade im ländlich geprägten Raum ist diese schnelle Hilfe von großer Bedeutung. Die Einheit überbrückt die oft längeren Anfahrtszeiten des Rettungsdienstes und hilft, Spitzenbelastungen bei größeren Einsätzen abzufangen. Dabei versteht sich die First-Responder-Gruppe ausdrücklich nicht als Konkurrenz zum Rettungsdienst, sondern als Ergänzung: Ziel ist es, das sogenannte „therapiefreie Intervall“ zu überbrücken. Der Zeitvorteil gegenüber anderen Rettungskräften liegt dabei meist zwischen fünf und 15 Minuten.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Arbeit ist die Aufklärung der Bevölkerung. Bei Veranstaltungen weisen die First Responder interessierte Bürgerinnen und Bürger in lebensrettenden Maßnahmen ein, insbesondere in die Herz-Lungen-Wiederbelebung mit Herzdruckmassage und Defibrillator. Denn eines ist klar: Das Einzige, was man im Notfall falsch machen kann, ist nicht zu helfen.
Wie Kommandant Mathias Friesinger bei der Jahreshauptversammlung berichtete, wurde die Einheit allein im vergangenen Jahr 2025 zu 158 Einsätzen alarmiert. Ein starkes Zeichen des Rückhalts aus der Bevölkerung zeigt auch das Einsatzfahrzeug der First Responder: Es wurde im Wert von 55.000 Euro vollständig durch Spenden von 263 Bürgerinnen und Bürgern finanziert.

