ENTEN auf Weltraumkurs

von Catrin Guntersdorfer

Wenn eine Getränkedose plötzlich zur Raumfahrtmission wird, dann steckt ziemlich sicher der CanSat-Wettbewerb dahinter – und mittendrin die ENTEN-Gruppe des Humboldt-Gymnasium Vaterstetten.
Eine Gruppe aus 11 Schülerinnen und Schülern versteckt sich hinter dem Kürzel, das für Eggscellent-Nerds-Trilaterating-Eggsperimental-NanonSatellites steht und die von der Lehrkraft Sebastian Bauer betreut werden. Mitte März ging es für sechs Teammitglieder nach Bremen, wo sie gemeinsam mit neun weiteren Teams aus ganz Deutschland beim CanSat-Wettbewerb an den Start gingen. Und auch wenn es am Ende nicht für einen Platz auf dem Treppchen gereicht hat, war eines klar: Diese Woche war ein voller Erfolg.

Zahlreiche Stunden ihrer Freizeit haben die ENTEN-Mitglieder in ihr Projekt gesteckt. (Foto: ENTEN, HGV)

Der große Moment: Wenn der eigene Satellit fliegt

Das absolute Highlight? Ganz klar der Start. Nach einem halben Jahr intensiver Arbeit, wöchentlichen Treffen, Tüfteln, Löten und Programmieren war es endlich so weit: Der selbstgebaute Mini-Satellit – nicht größer als eine Getränkedose – hob tatsächlich mit einer Rakete ab. Ein Gänsehautmoment für alle Beteiligten. ” Der Start war natürlich der absolute Höhepunkt der Woche, auf den wir gemeinsam hingefiebert – als unser Satellit dann wirklich mit der Rakete geflogen ist”, sind sich Daniel und Michi, zwei Temmitglieder der ENTEN-Gruppe einig. Denn hinter so einem CanSat steckt weit mehr als nur Technik: Planung, Tests, Rückschläge, Teamarbeit – im Grunde eine echte Raumfahrtmission im Kleinformat.

(Foto: ENTEN, HGV)

Was steckt hinter dem Wettbewerb?

Der Deutsche CanSat-Wettbewerb fordert von den Teams einiges. Bewertet wird nicht nur der Flug selbst, sondern ein Gesamtpaket: wissenschaftlicher Anspruch, Professionalität, Organisation, Social-Media-Auftritt, Präsentation – und sogar ein Abschlussbericht, der bei den ENTEN stolze 30 Seiten umfasste.

Bei der Landung hat die Dose doch ein wenig gelitten. (Foto: ENTEN)

Jedes Team muss beim Wettbewerb eine Primärmission erfüllen. Daniel erklärt:
„Unsere Aufgabe war es, Luftdruck- und Temperaturmessungen in der Atmosphäre zu sammeln und an eine Bodenstation zu übertragen.“ Dazu kommt eine selbst entwickelte Sekundärmission. Die ENTEN entschieden sich für eine besonders anspruchsvolle Variante:
„Wir wollten unseren CanSat trilaterieren, also seine Position bestimmen, indem wir die Entfernung zu mehreren Bodenstationen messen“, so Michi.

Wenn Technik nicht ganz mitspielt

Doch genau hier lag die größte Herausforderung, wie Michi inzwischen weiß: “Wir hatten immer nur Kontakt zu einer oder zwei Bodenstationen. Das hat leider nicht gereicht – unsere Funkdistanz war zu gering.“ Ein klassischer Fall von „In der Theorie perfekt, in der Praxis knifflig“. Aber statt Frust überwiegt die Motivation, nachdem man schon in der Woche nach dem Bremen-Ausflug wieder gemeinsam im Team tüftelt: „Wir schauen uns das nochmal genau an. Man lernt ja aus Fehlern – und nächstes Jahr sind wir wieder dabei!“, so Michi.

Jede Menge Technik muss in so eine kleine Dose passen, um die richtigen Messwerte zu ermitteln. (Foto: Catrin Guntersdorfer/B304.de)

Raumfahrt hautnah erleben

Neben Technik und Wettbewerb kam auch das Rahmenprogramm nicht zu kurz und war quasi maßgeschneidert für Technikfans. In der Woche in Bremen gabs spannenden Besuchen bei Raumfahrtinstitutionen, Einblicke in Forschungseinrichtungen und auch der Fallturm ZARM stand auf dem Programm. Der ist 146 Meter hoch und hat in seinem Inneren eine 120 Meter lange Fallröhre, in der Experimente unter Schwerelosigkeit getestet werden können. Daniel fasst es kurz zusammen:
„Wir hatten jeden Tag eine Menge Spaß!“

Teamgeist statt Konkurrenzdenken

Was besonders hängen bleibt: die Atmosphäre unter den Teams. Trotz Wettbewerb war das Miteinander geprägt von Austausch und gegenseitigem Verständnis. Michi erinnert sich: „Man findet super schnell Kontakt, weil alle ähnliche Probleme hatten. Ein anderes Team hatte sogar genau die gleichen Schwierigkeiten wie wir.” Daniel: “Das war echt verrückt.“ Übrigens kennen die ENTEN und auch der gesamt CanSat-Wettberweb keine Klischees: Technik ist längst keine Jungsdomäne mehr. Im Team arbeiten Mädchen und Jungen gemeinsam an komplexen Lösungen – vereint durch Neugier und Begeisterung für Naturwissenschaften.

Ein halbes Jahr Arbeit für einen unvergesslichen Moment

„Wir haben in den letzten Monaten echt viel Zeit in dieses Projekt gesteckt und waren jeden Tag bis 10 oder 12 Uhr abends in der Schule”, so das Team in der Woche nach dem Wettbewerb. Hinter ihnen liegt ein halbes Jahr voller Einsatz – und auch wenn es am Ende nicht für einen Platz auf dem Treppchen gereicht hat, nimmt das Team jede Menge Erfahrung, neue Ideen und Motivation mit nach Hause. Klar ist: Das nächste Projekt kommt bestimmt – und die ENTEN sind wieder dabei. Mission definitiv geglückt.

Das ENTEN-Team, das in Bremen das Humboldt-Gymnasium Vaterstetten würdig vertreten hat. (Foto: ENTEN)