Manchmal beginnt die große Liebe ganz unscheinbar – mit einem Mädchen, das regelmäßig am Haus vorbeigeht. So zumindest wurde Herbert Schmaus erstmals auf Irma aufmerksam. „Auf dem Weg zur Kirche ist sie immer bei uns vorbeigekommen. Sie ist mir aufgefallen, da sie ein Hütchen getragen hat.“ Irma ergänzt lachend: „Das war damals ungewohnt.“ So begann die Geschichte von Herbert und Irma Schmaus aus Etzenhausen bei Dachau. Im vergangenen Monat feierten die beiden jetzt ihre Diamantene Hochzeit!
Richtig kennengelernt haben sich Irma und Herbert auf der täglichen Zugfahrt von Dachau nach München. Irma arbeitete in der Landeshauptstadt bei der Pressestelle der Handwerkskammer, Herbert beim Landesverband der Ortskrankenkassen. „Bei den Bahnfahrten kamen wir ins Gespräch und die Sympathie ist gewachsen“, erinnert sich Herbert. „Wir waren bald ein unzertrennliches Paar.“

Am 14. September 1966 wurde geheiratet – zunächst standesamtlich in Dachau, anschließend in der Stadtpfarrkirche Sankt Jakob. Irmas Brautkleid war etwas Besonderes: Ihre Mutter hatte es selbst genäht und mit Spitze an den Ärmeln versehen. Auch nach der Hochzeit blieb davon etwas erhalten. „Die Spitzen haben wir später für den Himmel des Stubenwagens unseres Sohnes verwendet“, erzählt Irma.
Auch an die Hochzeitsreise kann sich das Jubelpaar noch gut erinnern. Eigentlich sollte es ins Grödnertal nach Wolkenstein gehen. Doch das Wetter machte den frisch Vermählten einen Strich durch die Rechnung. „Wir sind hingefahren und über Nacht gab es 30 Zentimeter Neuschnee – mitten im September! Also sind wir weiter an den Gardasee. Da war aber auch ein Sauwetter. Gewitter über Gewitter. Also wollten wir schnell heim, über die Schweiz. Da war dann plötzlich das schönste Wetter und so sind wir dort geblieben.“
Zunächst lebten Herbert und Irma in einer Wohnung in Dachau, dort kam 1967 Sohn Werner zur Welt. Als Herberts Dienststelle nach Neuperlach umzog, wurde der tägliche Weg zur Arbeit allerdings zunehmend lang und so zog die Familie 1969 nach Baldham. Ein Jahr später, 1970, wurde Tochter Monika geboren.
In ihrer neuen Heimat fanden Irma und Herbert schnell Anschluss und engagierten sich bald auch für die Gemeinschaft. Irma war ab 1974 als Gründungsmitglied bei der Nachbarschaftshilfe aktiv, fuhr Essen auf Rädern aus und begleitete das Ferienprogramm für Kinder. Auch Herbert brachte sich nach seinem Eintritt in den Ruhestand bei der Nachbarschaftshilfe ein – zunächst als Schatzmeister, später als Vorsitzender und schließlich als Verwaltungsrat. Irma engagierte sich außerdem im TSV.
Neben Familie und Ehrenamt blieb aber immer Zeit für gemeinsame Unternehmungen. Die beiden waren gerne in den Bergen unterwegs und unternahmen zahlreiche Radtouren. Dabei hatte Irma durchaus klare Vorstellungen von der Streckenführung: „Vor allem an Flüssen entlang, weil´s da nicht so bergauf geht. Das war meine Bedingung“, erzählt sie lachend.
Was Irma und Herbert über sechs Jahrzehnte zusammengehalten hat, lässt sich für beide auch in ihren unterschiedlichen Charakteren finden. Herbert schätzt an seiner Frau besonders ihren Familiensinn und ihr junggebliebenes Wesen. Irma liebt an ihrem Mann vor allem seinen Humor: „Man kann so toll mit ihm lachen.“ Außerdem sei Herbert für sie „der Fels in der Brandung“. Sie selbst beschreibt sich als die Lebhaftere, während Herbert den ruhigen Part übernimmt. „Der Ausgleich hat uns angezogen!“

Und auch nach 60 Jahren darf das gegenseitige Aufziehen nicht fehlen. Herbert sagt mit einem Augenzwinkern: „Wenn man im Alter ein Hörgerät hat, kann man auch hin und wieder auf Durchzug schalten.“ Irma kontert: „Wir haben Gott sei Dank beide eins!“
Den 60. Hochzeitstag am 14. September verbrachten die beiden ganz bewusst miteinander und kehrten noch einmal nach Dachau zurück, besuchten ihre Traukirche und gingen anschließend gemeinsam essen. Außerdem gönnten sie sich zu ihrer Diamantenen Hochzeit eine Woche Urlaub in Bad Birnbach. Gefeiert wurde auch mit der ganzen Familie – inzwischen gehören auch fünf Enkelkinder dazu.
Und was ist nun das Geheimnis einer Ehe, die sechs Jahrzehnte überdauert hat? Vielleicht gibt es darauf gar keine komplizierte Antwort. Bei Irma und Herbert scheinen Zusammenhalt, gegenseitiger Respekt, Humor und die Fähigkeit, den anderen so zu nehmen, wie er ist, eine gute Mischung zu ergeben. Herbert findet dafür ein besonders schönes Bild: „Ein Diamant ist unzerbrechlich und so ist nach all den Jahren auch unsere Ehe.“

