Einen Geburtstag wie diesen vergisst man wohl nicht so schnell: Am 4. Oktober feierte Rosa Friebe ihren 95. Geburtstag – und zwar mit einer großen Überraschung. Ihre Nichten hatten für die Jubilarin ein Fest mit mehr als 30 Verwandten im Restaurant Schwaiger in Glonn organisiert.
„Ich wusste von nichts. Es war so geheim gehalten. Erst als ich sie alle hab singen hören, hab ich verstanden, dass es um mich geht. Alle standen schon parat“, erzählt die Jubilarin noch immer sichtlich erfreut. Ein schöner Beweis dafür, welchen Stellenwert Familie für Rosa Friebe hat. Eigene Kinder hat sie zwar nicht, dafür 13 Nichten und Neffen – und inzwischen zahlreiche Nachkommen. Sie alle sind für Rosa längst wie eigene Kinder.
Rosas Geschichte beginnt in Oberseeon. Dort wuchs sie als jüngstes von fünf Geschwistern auf. An ihre Kindheit erinnert sich das Geburtstagskind besonders gerne zurück, auch wenn die Zeit damals nicht immer einfach war: Der Vater starb früh, und die Mutter musste die fünf Kinder alleine großziehen. „Wir waren sehr brave Kinder und saßen wie die Orgelpfeifen auf der Couch“, erzählt Rosa mit einem Schmunzeln. Als sie acht Jahre alt war, zog die Familie nach Glonn.
Geblieben sind vor allem die vielen kleinen, liebevollen Erinnerungen an diese Zeit: der gemeinsame Schulweg nach Moosach, bei dem die Geschwister singend durch den Wald gingen, oder das abendliche Füßewaschen, bei dem die Mutter allen fünf Kindern mit der Wurzelbürste zu Leibe rückte. Weihnachten wurde gemeinsam gefeiert, mit schönen Weihnachtsbäumen, und auch die Pausenbrote sind Rosa noch in Erinnerung – dick mit Marmelade beschmiert. Geburtstage wurden damals nicht groß gefeiert , aber die Mutter sorgte für eine besondere Tradition: „Geburtstag waren nichts besonders, aber unsere Mutter hat immer für das Geburtstagskind einen Gugelhupf gebacken.“
Rosa war ein eher ruhiges Kind, doch das bedeutete keineswegs, dass sie sich alles gefallen ließ. Auch von den Buben, die sie auf dem Schulweg gerne einmal ärgern wollten, ließ sie sich nicht unterkriegen. Vielleicht zeigte sich schon damals eine Eigenschaft, die sie bis heute begleitet: Lebensfreude gepaart mit Durchsetzungsvermögen.
Musik war stets ein wichtiger Teil in Rosas Leben. „Wir waren eine gesangsfreudige Familie“, erzählt Rosa. „Und wir haben immer viel getanzt, wie der Lump am Stecken!“ Diese Freude an Musik und Geselligkeit sollte Rosa ihr ganzes Leben lang begleiten.
Auch sportlich war Rosa sehr aktiv. Sie betrieb Leichtathletik, fuhr Ski und spielte später Tischtennis im Verein in Vaterstetten. Dort fand sie auch viele Freunde. Eine ganz besondere Freundschaft verbindet sie bis heute mit der Vaterstettenerin Luise Singer, die erst kürzlich ihren 100. Geburtstag feiern konnte. „Wir waren viel gemeinsam unterwegs und verstehen uns noch heute wunderbar.“ Rosa besucht ihre Freundin hin und wieder – und der gemeinsame Geburtstagsnachtrag soll ebenfalls nicht fehlen.

Beruflich wurde Rosa Verkäuferin und arbeitete später in München bei Siemens. Ihr privates Glück fand sie am Steinsee: Dort lernte sie 1951 beim Baden ihren späteren Mann Siegfried kennen. 1954, heirateten die beiden und zogen nach Vaterstetten. Leider verstarb Rosas Mann bereits vor 27 Jahren. Geblieben ist ihr aber eine große Familie, die sie liebevoll umgibt. Besonders ihre Nichten Brigitte und Elke sind heute für Rosa da. Und wer bei Rosa Besuch ist, darf sich offenbar auch auf eine Partie Karten freuen. Denn Kartenspielen gehört zu ihren großen Leidenschaften. Vor allem beim „Rome“ ist Rosa mit Begeisterung dabei. „Tante Rosi ist im Zusammenrechnen der Punkte unschlagbar“, versichert Nichte Brigitte.
Wer Rosa Friebe heute erlebt, kann kaum glauben, dass sie inzwischen 95 Jahre alt ist. Sie ist geistig und körperlich noch erstaunlich fit. Ihr Geheimnis? Rosa antwortet darauf ganz bescheiden: „Dank dem lieben Gott!“ Ihr Glaube ist ihr wichtig und gibt ihr Halt. Und so blickt Rosa Friebe mit 95 Jahren nicht etwa mit großen materiellen Wünschen in die Zukunft. Was sie sich für die kommenden Jahre wünscht, ist schlicht und zugleich sehr persönlich: „Ich wünsch mir nix anderes als Gesundheit und dass der liebe Gott mich mal holt.“
Bis dahin darf es aber gerne noch viele gesellige Runden, Kartenspiele, Besuche bei Freunden und vor allem gemeinsame Stunden mit ihrer großen Familie geben. Der 95. Geburtstag hat eindrucksvoll gezeigt: Rosa Friebe ist nicht allein älter geworden – sie ist in 95 Jahren in eine große Familie hineingewachsen, die sie von Herzen feiert.

