60 Jahre verheiratet, 60 Jahre gemeinsam durchs Leben – und dabei noch immer mit viel Humor, Tatkraft und gegenseitiger Wertschätzung unterwegs: Helga und Thomas Böhme haben vergangenen Sonntag, 6. September, ihre Diamantene Hochzeit gefeiert. Im Kreise der Familie wurde das besondere Jubiläum im Gasthof zum Vaas in Forstinning gebührend gefeiert.
Kennengelernt haben sich Helga und Thomas beim Sport. Thomas, der gebürtige Sachse, kam im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie nach München. Helga wurde in München geboren und wuchs in Neuhausen auf. Beim Post SV München kreuzten sich ihre Wege regelmäßig beim Turnen. Thomas hatte dabei schon früh ein Auge auf Helga geworfen. „Ich habe sie schon lange aus der Ferne angeschmachtet und sie im Visier gehabt“, gesteht er heute mit einem Augenzwinkern. Allerdings war die Konkurrenz groß: „Helga hatte viele Verehrer im Verein!
Der entscheidende Schritt zueinander kam schließlich während Helgas Urlaub. Niemand war zum Tennisspielen da – Thomas hingegen hatte gerade Semesterferien und war zur Stelle. Die beiden, damals 18 und 19 Jahre alt, spielten also gemeinsam Tennis, gingen zum Baden und verbrachten immer mehr Zeit miteinander. „Die Liebe kam eher schleichend zu uns“, erinnert sich Helga. Schließlich kannte man sich ja schon seit Jahren aus dem Turnverein.
Eines Tages nahm Helga Thomas jedoch mit zu ihren Eltern. Und auch dort konnte der junge Mann offenbar punkten. Helgas Mutter war mit der neuen Verbindung durchaus einverstanden und merkte an: „Der gefällt mir schon besser als der Letzte!“ Damit war das Eis endgültig gebrochen.
Thomas studierte Betriebswirtschaft und wurde Diplomkaufmann. Beruflich führte es ihn unter anderem nach England, Berlin und Ulm. Doch auch größere Entfernungen konnten der Liebe von Helga und Thomas nichts anhaben. „Unsere Verbindung hat immer gehalten“, so die beiden heute stolz. Als Thomas 28 Jahre alt war, wurde es schließlich ernst: Ganz klassisch hielt er bei Helgas Vater um die Hand seiner künftigen Braut an – Blumenstrauß inklusive. „Die erste Frage meines Schwiegervaters war natürlich, ob ich auch wirklich ordentlich für Helga sorgen könne“, erinnert sich Thomas an den Antrag zurück.

Die Antwort sollte sich in den folgenden sechs Jahrzehnten eindrucksvoll zeigen. Geheiratet wurde kirchlich in der kleinen Kirche St. Nikolai am Gasteig, standesamtlich in Schwabing in der Mandlstraße. Anschließend feierte die Hochzeitsgesellschaft in der historischen Gaststätte Grünwalder Weinbauer. Und für die Hochzeitsreise ging es gleich in Richtung Süden – wenn auch auf ungewöhnliche Weise: „Die Hochzeitsnacht haben wir in einem Liegewagen nach Genua verbracht“, erzählt Thomas. Helga ergänzt lachend: „Mit mehreren fremden Personen!“ Von Genua aus reiste das Brautpaar mit einem Kreuzfahrtschiff weiter nach Barcelona und anschließend an die Costa Brava.
Nach der Hochzeit zog Helga zunächst mit Thomas nach Ulm. Als sich 1968 ihr erstes Kind ankündigte, stand allerdings schnell fest: Sohn Markus soll in München zur Welt kommen – und keinesfalls ein „Ulmer“ werden. Zwei Wochen vor der Geburt zog Helga deshalb zurück in die Landeshauptstadt. Von 1968 bis 1973 lebte die Familie mit Sohn Markus und ab 1971 auch mit dem zweiten Sohn Philip in München in der Meistersingerstraße, bis die junge Familie schließlich 1973 nach Vaterstetten zog. In der Palestrinastraße, in einem Haus, das Helgas Vater gekauft hatte, fand man ein neues Zuhause, wo man sich schnell wohl fühlte. Helga und Thomas waren über viele Jahre auch hier wieder im Sportverein aktiv – beim TSV in der Leichtathletik und auch in der Tennisabteilung. Der Sport, der sie einst zusammengeführt hatte, blieb damit ein wichtiger Bestandteil ihres gemeinsamen Lebens.
Auch heute halten sich die beiden weiterhin fit, steigen auf ihre E-Bikes und sind im Ebersberger Forst unterwegs. Genauso gehörte das Reisen über die Jahrzehnte für den heute 88-jährigen Thomas und die 87-jährige Helga zu ihren gemeinsamen Leidenschaften. Besonders gerne gingen die beiden auf Kreuzfahrt. „Wir haben sozusagen den ganzen Mittelmeerraum abgegrast“, erinnert sich Thomas lachend. „Und dank der Umzüge unseres Sohnes Markus nach Singapur und New York, sind wir auch dort hin gekommen“, ergänzt Helga.

Was aber ist das Geheimnis einer 60 Jahre währenden Ehe? Bei dieser Frage wird deutlich, dass Helga und Thomas nicht nur gemeinsame Erinnerungen, sondern auch eine große Wertschätzung füreinander verbindet. Helga freut sich neben den Kochkünsten ihres Mannes, die er sich im Laufe der Jahre angeeignet hat, vor allem über eine Charaktereigenschaft: „Er ist zuverlässig!“ Dabei gab es ausgerechnet am 60. Hochzeitstag noch einen kleinen Schreckmoment, als plötzlich der Ehering von Thomas verschwunden war. Die ganze Familie suchte lange vergeblich, bis schließlich Enkelsohn Nikolas, seine Schuhe anzog und darin etwas Hartes drückte. Tatsächlich war der Ehering von Thomas´ Finger gerutscht, als er seine Jacke an der Garderobe aufgehängt hatte. “Wir können also hoffentlich auch noch die Eiserne Hochzeit zusammen feiern- mit Ring!”, freut sich Thomas erleichtert, der jungen Paare noch folgenden Tipp für eine lange Ehe mit auf den Weg gibt: „Sich Freiräume lassen und viel Toleranz, da sich jeder im Laufe der Jahre anders entwickelt.“
Ein Satz, der nach so vielen gemeinsamen Ehejahren wohl besonders viel Gewicht hat, denn die Verbindung von Helga und Thomas hält – seit 60 Jahren!

