Gemeindebücherei will Bibliothek heißen

von Leon Öttl

Die Gemeindebücherei Vaterstetten wird ab dem kommenden Jahr zur Bibliothek umbenannt. Das beschloss der Gemeinderat Ende Juli nach längeren Diskussionen immerhin einstimmig.

Der Begriff „Bücherei“ werde dem heutigen Angebot der gemeindlichen Einrichtung nicht mehr gerecht, erklärte Jasmin Marussis-Kley, Leiterin des Amtes für Familie, Jugend und Bildung im Rathaus. Neben dem Medienangebot bietet die Bücherei auch digitale Angebote, Veranstaltungen und Bildungsarbeit an. Zudem wird sie von unterschiedlichen Zielgruppen als Lern- und Aufenthaltsort genutzt. Der Name „Bücherei“ reduziere die Einrichtung sprachlich auf den reinen Buchbestand und werde dieser Entwicklung daher „nicht mehr gerecht“, heißt es in der Beschlussvorlage.

Aus dem Gemeinderat kamen überwiegend positive Rückmeldungen. Eine Umbenennung sei „sinnig und auch richtig“, sagte David Göhler (Grüne), der zugleich die „fantastische“ Arbeit des Teams lobte. Der Wunsch nach einer Umbenennung sei aus dem Mitarbeiterkreis selbst gekommen, ergänzte Bürgermeisterin Maria Wirnitzer.

Kritischere Stimmen kamen aus den Reihen der Freien Wähler. Altbürgermeister Georg Reitsberger stellte die Umbenennung des „Herzstücks unserer Gemeinde“ infrage. Vielleicht könne man auch mit dem bisherigen Namen weiterleben, meinte er. Gleichzeitig erinnerte er an Altbürgermeister Martin Berger, der die Bücherei einst etabliert habe. Reitsbergers Fraktionskollegin Bianca Dusi-Färber wies darauf hin, dass das Wort „Bibliothek“ aus dem Griechischen stamme und wörtlich „Buchbehälter“ bedeute. Das Geld für die Umbenennung könne man stattdessen in die Bücherei investieren.

Klaus Willenberg (FDP) berichtete, dass bei BMW vor Jahren die Kantine in „Betriebsrestaurant“ umbenannt worden sei, sich die alte Bezeichnung jedoch bis heute halte. Den Wunsch der Mitarbeiter bezeichnete er dennoch als nachvollziehbar. Ähnlich äußerte sich Annabell Wegener (CSU). Sie könne sowohl die Argumentation Dusi-Färbers als auch den Wunsch der Mitarbeiter verstehen. Gleichzeitig sehe sie, wie viel Bildungsarbeit in der Bücherei geleistet werde.

Seit Jahren werde ein neues Gebäude benötigt, sagte Cordula Koch (SPD). Vor diesem Hintergrund sei die Umbenennung ein „kleiner Wunsch mit kleinem finanziellen Rahmen“. Eigentlich müsse man über einen Neubau sprechen, denn aufgrund des Gebäudezustands seien Teile der Bücherei nicht nutzbar. So seien bereits Gebäudeteile auf die Krimi-Abteilung gefallen.

„Wenn’s der große Wunsch der Mitarbeiter ist, will ich nicht dagegen stimmen“, sagte Georg Reitsberger am Ende der Debatte. Schließlich beschloss der Gemeinderat die Umbenennung einstimmig. Sie soll jedoch nicht sofort erfolgen, sondern erst im kommenden Mai. Die Verwaltung schätzt die Kosten auf rund 3.000 Euro.

Übrigens: Bis einschließlich 7. August ist die Gemeindebibliothek/Gemeindebücherei von Mittwoch bis Freitag durchgehend von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Das gilt auch für den Medienrückgabeschrank.