Es gibt Liebesgeschichten, die leise beginnen und vielleicht gerade deshalb ein Leben lang halten: Günter und Brigitta Jantos aus Vaterstetten feiern heute (10. Februar), ihre Eiserne Hochzeit – das sind 65 Jahre Ehe, geprägt von Vertrauen, Humor und gegenseitiger Achtung.
„Das hat sich so ergeben“, sagt Brigitta Jantos und lächelt. Vielleicht ist es genau diese Selbstverständlichkeit, die ihre Beziehung bis heute trägt. Kennengelernt haben sich die beiden im Fasching 1960 in München. Günter war damals 30, Brigitta 24. „Ich war mit meiner Tante und meinem Onkel auf einem Polizeiball im Salvatorkeller in München“, erinnert sie sich. Günter ergänzt schmunzelnd: „Ich war eigentlich im Löwenbräukeller bei den Damischen Rittern verabredet, hab aber niemanden getroffen und bin dann auf dem Nachhauseweg noch schnell bei dem Polizeiball vorbei, um kurz reinzuschauen.“
Liebe auf den ersten Blick war es bei Brigitta und Günter allerdings nicht. „Ich wollte gar nicht so schnell heiraten. Eigentlich wollte ich überhaupt nicht heiraten. Mir hat es in der Arbeit, im Büro gut gefallen“, erzählt Brigitta offen. Doch die Zeit war eine andere: „Ohne Hochzeit durften wir ja nicht zusammensein oder eine Wohnung beziehen.“

Geheiratet wurde am 10. Februar 1961. „Es war ein wunderschöner Tag, der 10. Februar 1961. Und es war warm“, erinnert sich Günter an den Hochzeitstag zurück. Die Feier war klein – Günters Schwester war dabei, die Eltern konnten nicht kommen. Vormittags ging es ins Standesamt im Münchner Landratsamt am Maria-Hilf-Platz, mittags folgte die kirchliche Trauung.
Günter Jantos stammt aus Schlesien, Brigitta ist gebürtige Münchnerin. Günter, gelernter Maurer, legte eine beeindruckende berufliche Laufbahn hin: Meisterprüfung in Konstanz, Studium an der TH, Geschäftsführer einer Baufirma und später Tätigkeit im Landratsamt München in der Baugenehmigungsbehörde. In Vaterstetten erfüllte er sich schließlich einen Traum und kaufte ein Grundstück „Wir haben am 10. Februar geheiratet, am 1. März kam der Bagger und im September war das Haus fertig“, erzählt Brigitta und fügt lachend an: „Die Vaterstettener haben damals über Günter gesagt: Das ist ein Verrückter, weil er alles selbst gebaut hat“
Das selbst gebaute Haus wurde zum Zuhause – und Vaterstetten zur Heimat. Freunde und Weggefährten sind im Laufe der Jahre leider alle verstorben, doch Erinnerungen an Früher gibt es reichlich. Vor allem an ihre Reisen denken Günter und Brigitta gerne zurück: „Wir sind um die halbe Welt gereist, gell Günter?“, berichtet Brigitta. Schiffsreisen nach Vietnam, China, Südamerika, Wandern in den Berge, das Wallis in der Schweiz. „Ostasien war am schönsten“, ist Günter überzeugt, während Brigitta noch heute von ihrer Nordlandreise schwärmt. Bis vor etwa zehn Jahren waren die beiden noch unterwegs.
Brigitta liebte zu Hause das Sticken, unterwegs fotografierte und filmte sie leidenschaftlich. Bis heute führt sie den Haushalt, kümmert sich um Garten und Blumen – ihr großes Hobby. Und das gemeinsame Leben? „Die 65 Jahre sind mir kurz vorgekommen – die Zeit ist sehr schnell vergangen und wir haben tatsächlich nie gestritten“, erzählt sie lachend. „Mein Mann ist sehr rücksichtsvoll. Er hat mir immer meine Freiheiten gelassen und alle Wünsche erfüllt.“
Auch Günter bestätigt: „Wir kommen auch jetzt noch toll aus. Wie früher!“ Man spürt sofort, dass zwischen den beiden noch immer viel Zuneigung, Respekt und Humor herrscht. Auf die Frage nach einem Geheimnis für eine lange Ehe hat Günter einen klaren Rat: „Nicht immer bei jedem Problem einfach sagen: ‚Dann geh ich halt!‘“
Für die Zukunft wünschen sich Günter und Brigitta Jantos vor allem eines: noch ein paar gemeinsame, gesunde Jahre. Und wenn man ihnen zuhört, glaubt man gern daran, dass auch dieser Wunsch „sich einfach so ergeben wird“.

