Die WM 2022 als Konjunkturspritze: So profitiert die Region von dem Event

von Gastautor

Sportliche Großereignisse wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele kurbeln bekanntermaßen die Wirtschaft an. Ob im Austragungsort oder in der Heimat der teilnehmenden Nationen – die jeweilige Konjunktur wächst dank erhöhtem Konsum der Bevölkerung. Die erste Fußball-Winter-WM in Katar könnte also trotz vieler Bedenken einen positiven Effekt auf die regionale Wirtschaft in Deutschland haben.

Ähnlich wie das Ergebnis beim Fußball hängt auch die Größe des Einflusses der Weltmeisterschaft auf die Wirtschaft von vielen Faktoren ab. Dementsprechend schwer ist es, diesen im Vorfeld zu prognostizieren. Freunde und Fans von Sportwetten kennen dieses Gefühl, daher ist ein Bonus für Sportwetten besonders attraktiv. So kann mit einem Vorschuss das eigene Glück herausgefordert werden.

Das Paradebeispiel WM 2006 – eine Heim-WM als Wirtschaftstreiber!

Logischerweise gibt es große Unterschiede zwischen dem Einfluss der sportlichen Großevents bei der Austragung im eigenen Land und der bloßen Teilnahme der eigenen Nation bei einem Turnier im Ausland. Als ein gerne präsentiertes positives Beispiel für den Effekt einer Fußball-Weltmeisterschaft auf das eigene Land gilt die WM 2006 in Deutschland.

Das sogenannte Sommermärchen sorgte in vielerlei Hinsicht für einen Aufschwung im ganzen Land. Beginnend mit der steigenden Konjunktur der Baubranche. Durch viele neue Infrastrukturprojekte, wie vollständig neue oder modernisierte Stadien und der Bau von Unterkünften wie Hotels, wuchsen die Auftragsbücher der Firmen im Baugewerbe deutlich.

Darüber hinaus gewann die Tourismusbranche aufgrund von erhöhter Reisefreudigkeit der eigenen Bevölkerung. Neben Stadionbesuchen wurden Städtereisen und Besuche von Freunden und Familie gerne als Anlass genommen, um gemeinsam die Spiele zu verfolgen.

Den wohl größten und langfristigsten Effekt hatte die heimische Weltmeisterschaft im Jahr 2006 aber wohl auf den Ruf und das Image von Deutschland. Noch heute sprechen viele vom Sommermärchen 2006, obwohl das eigene Land am Ende rein sportlich nur den dritten Platz erlangte. Trotzdem gewann Deutschland viel an Ansehen und wurde letztlich in aller Welt als Sieger der Herzen gefeiert. Davon profitierte am Ende auch die Wirtschaft. Gerade die  deutsche Wirtschaft gilt dafür als Paradebeispiel, da diese besonders auf den Export von Waren spezialisiert ist. Nicht selten gewinnen heimische Güter aufgrund eines Image-Gewinns des Landes an internationaler Nachfrage.

Letztlich sollte die WM 2006 für einen Schub von rund einem halben Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes sorgen und stellte somit die Weichen für eine nachhaltige und ausgewogenere Konjunkturerholung der folgenden Jahre.

Der mögliche Effekt der WM 2022 in Katar – die Hoffnung der regionalen Wirtschaft!

Unwahrscheinlich, dass die Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Winter in Katar einen ähnlich großen Einfluss auf die regionale Wirtschaft in Deutschland haben wird. Trotzdem erhoffen sich viele eine gewisse Konjunkturspritze. Gerade für die in den letzten Jahren schwächelnde Wirtschaft ist diese auch dringend notwendig.

Doch welche Auswirkungen kann eine Weltmeisterschaft im weit entfernten Katar erwirken? Experten hoffen vor allem auf eine insgesamt steigende Konsumbereitschaft der Deutschen. Vor und während einer Weltmeisterschaft decken sich viele Deutsche mit Fan- und Sportartikeln ein. Besonders Werbeartikel gewinnen an Nachfrage und sorgen für steigende Umsätze.

Die wohl größten Profiteure eines Fußball-Großevents sind dementsprechend traditionell die Sportartikelhersteller. Ob Adidas, Nike oder Puma – weit im Vorfeld einer Welt- oder Europameisterschaft rüsten sich die großen Marken der Sportbranche bereits mit aufwendigen Marketing- und Werbeaktionen für das größte Sportereignis des Jahres. Neben den Trikots der Nationalmannschaften gehört auch Zubehör zum Repertoire der Sportartikelhersteller. So bietet Adidas etwa den offiziellen Spielball, den Al Rihla, zum Verkauf an.

Gerade bei der kommenden WM in diesem Jahr wird das Fußballgucken innerhalb der eigenen vier Wände besondere Beliebtheit erfahren. So ist davon auszugehen, dass viele Menschen auch in den eigenen Haushalt investieren werden. Im Vordergrund dürfte etwa der Kauf eines neuen Fernsehgeräts stehen. Insbesondere das Interesse an großformatigen TV-Geräten sollte deutlich steigen. Viele Elektronikhändler freuen sich auf höhere Umsätze.

Neben Fanartikeln als Dekoration werden auch Produkte wie Grillgut, Chips oder vor allem auch Biermarken von steigender Nachfrage profitieren. Bier und Fußball gehören für viele Menschen in Deutschland einfach zusammen. Fraglich allerdings, ob aufgrund der ungewohnten Jahreszeit Winter auch ähnlich viel Bier konsumiert wird, wie bei Weltmeisterschaften im Sommer. Möglich, dass viele Zuschauer beispielsweise auf Glühwein während der Winter-WM in Katar wechseln. Abgesehen davon steigt auch die Nachfrage nach nichtalkoholischen Getränken. Ob allerdings Grillen eine ähnliche Beliebtheit erfährt wie bei einer Sommer-WM, ist alles andere als wahrscheinlich.

Trotz allem erwarten Lebensmittelhändler mehr Einnahmen durch die stattfindende Weltmeisterschaft. Private Zusammenkünfte zum Fußballgucken sollen für steigende Nachfrage an Lebensmitteln sorgen.

Konjunkturspritze unrealistisch? – nur begrenzte Impulse für die Wirtschaft!

Bei dieser Weltmeisterschaft dürften die volkswirtschaftlichen Effekte auf die deutsche Konjunktur durchaus begrenzt sein. Sowohl die Reisebranche als auch die Gastronomie und auch die Hotellerie hegen nur wenig Hoffnung auf einen großen Aufschwung. Wahrscheinlich ist, dass die Menschen aufgrund der dunklen Jahreszeit viele Spiele im eigenen Wohnzimmer verfolgen werden.

Eine Reise in das Austragungsland ist aufgrund der Entfernung und weiterer Bedenken für viele nicht vorstellbar. So stellen die Monate November und Dezember nun auch nicht die beliebtesten Reisemonate der Deutschen dar. Ein Großteil der Bevölkerung spart die eigenen Urlaubstage dann doch lieber für den eigenen ausgedehnten Sommerurlaub.

Vielmehr sorgen sich viele Reisebüros, dass aufgrund der stattfindenden Weltmeisterschaft die bereits sehr unterdurchschnittlichen Buchungen für diesen Zeitraum noch weiter sinken. Die Sorge ist, dass die Menschen lieber die deutsche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Katar verfolgen als in wärmere Gefilde zu reisen.

Auch der Kultur-, Sport- und Unterhaltungssektor leidet zum Teil stark unter einer Fußball-WM. So werden viele Konsumenten von Angeboten der regionalen Kulturszene durch das sportliche Großereignis abgelenkt.

Fraglich für viele bleibt der Effekt für die heimische Gastronomie. Vorstellbar ist, dass sich statt des im Sommer beliebten Public Viewing viele Menschen in Restaurants, Bars und Kneipen zum gemeinsamen Fußballgucken verabreden. Gleichzeitig nicht unwahrscheinlich, dass sich dafür letztlich die eigenen vier Wände als attraktiver darstellen.

Am Ende kommt es auf das Abschneiden der deutschen Mannschaft an!

In welchem Maße der Effekt auf das Konsumverhalten der Deutschen ausfällt, hängt insbesondere auch vom Abschneiden der Mannschaft von Bundestrainer Hansi Flick ab. Eine Neuauflage des Sommermärchens von 2006 oder gar ein Titelgewinn wie im Jahr 2014 würde die Konsumlaune in Deutschland vermutlich in die Höhe schießen lassen. Ob die regionale Wirtschaft auf eine Konjunkturspritze hoffen kann, hängt also von vielen unterschiedlichen Faktoren ab.